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Rammstein - Köln - 29.11.2009 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Florian Schöler   
Montag, den 30. November 2009 um 21:26 Uhr

Vier lange Jahre mussten Fans von Rammstein auf neues Material und eine Tour warten. Das neue Material steht seit Mitte Oktober im Laden und was Live-Material angeht wurde man mit "Völkerball" vertröstet. Doch das Warten hatte im November 2009 ein Ende und die Tour war dementsprechnd rasend schnell ausverkauft. Einige Veranstaltungen (wie z.B. die in Köln) sogar schon vor dem offiziellen Verkaufsstart, der eigentlich um Mitternacht beginnen sollte, aber schon gegen 22 Uhr erreichbar war. So kam es dann, dass einige Zusatztermine eingerichtet werden mussten. Einer davon findet gerade in diesem
Moment statt, während ich diese Zeilen schreibe. Ich war einer der Glücklichen, die frühzeitig online waren und sich Tickets ergattern konnte. Lest nun hier wie es war.


Für mich war es das erste Konzert von Rammstein, welches ich miterleben durfte. Bis dahin hörte ich nur immer was für eine tolle Liveband die sechs Jungs doch seien und die "Völkerball"-DVD stellte dies auch eindrucksvoll unter Beweis. Doch wie wir ja alle wissen, ist so eine Erfahrung aus erster Hand immer noch am besten, und eine Band wie Rammstein muss man eigentlich mal live gesehen haben.
Nach einem klitzleinen Ausflug auf die Autobahn in die entgegengesetzte Richtung kam ich mit meinem Gefolge gegen 18:30 Uhr an der Lanxess Arena an, wo uns einige eher unorganisierte Warteschlangen vor den Eingängen erwarteten. Man wusste nie so recht, ob man nun tatsächlich für den Eingang ansteht oder doch nur für den nächsten Bierstand. Zu allem Überfluss vermischten sich kurz vor dem Eingang dann noch zwei verschiedene Warteschlangen zu einer. Das hätte man deutlich besser lösen können.
In der Arena selbst war es dann natürlich voll, aber die Menschenmengen verteilten sich erstaunlich gut. Die nächsten fünf bis zehn Minuten verbrachten wir dann erstmal damit, die Garderobe zu suchen. Nachdem wir das hinter uns gebracht und noch schnell einen Liter Cola für 5,70€ (plus 2€ Becherpfand) vernichtet hatten, ging es dann ab in den Innenraum, der auch schon ganz gut gefüllt war. Dennoch galt auch hier, dass trotz ausverkaufter Hütte überraschend viel Platz war und wir bezogen dann Stellung hinter dem ersten Wellenbrecher und gleich am Ausgang. Für ein Konzert dieser Größenordnung war es dort doch erstaunlich ruhig und angenehm zu stehen.

Ziemlich pünktlich um 20:00 Uhr gingen dann die Lichter aus und die Vorband, Combichrist, betrat die Bühne. Mir waren sie bis dahin nicht bekannt, überzeugten mich mit ihrem Industrial aber. Die Band besteht aus einem Keyboarder, zwei Schlagzeugern sowie einem Sänger. Das Konzept mit den zwei Schlagzeugern war durchaus erfrischend, auch wenn man, denke ich, mehr daraus machen könnte. Es wirkte oft so, als spielten die beiden die gleichen Muster. Mangelnde Motivation konnte man ihnen jedenfalls nicht unterstellen, der Sänger lief ständig von einem Ende der Bühne zum anderen und einer der beiden Schlagzeuger trommelte zeitweilig so heftig, dass einige Male eine der Floor Toms von der Erhöhung auf der Bühne runterfiel und ein Roadie sie wieder aufrichten musste. Mir wurde die Musik auf die Dauer etwas eintönig, die 35 Minuten, die sie spielten waren aber dennoch sehr kurzweilig und den immer wieder aufkommenden Applaus hatten sich Combichrist auch redlich verdient.

Nun mussten nur noch die Bühnenaufbauten von Combichrist entfernt werden um die Bühne für Rammstein fertig zu machen. Mit nur minimaler Verspätung war es dann endlich auch so weit. Fast genau um 21:00 Uhr erloschen erneut die Lichter auf der Bühne und das Publikum begrüßte die Band, die noch gar nicht zu sehen war. Diese musste sich nämlich zunächst einmal ihren Weg vor das Publikum frei kämpfen - im wahrsten Sinne. Die beiden Gitarristen, Richard und Paul, schlugen sich mit Beilen ihren Weg durch die "Mauer" auf der Bühne, was bereits sehr cool war. Till allerdings setzte noch einen drauf und nahm einen Schweißbrenner in die Hand, um sich den Weg auf die Bühne zu bahnen.
Bald  darauf ertönten dann auch die ersten Rammsteinschen Klänge in Form des, von mir erhofften, Rammlied. Weiter ging es mit zwei weiteren Werken vom aktuellen Album "Liebe Ist Für Alle Da", B******** und Waidmans Heil, ehe mit Weißes Fleisch ein Klassiker auf die Tagesordnung kam. Bei Feuer Frei kamen die schon bekannten Feuerwerfer-Masken zum Einsatz, deren Hitze man auch hinter dem ersten Wellenbrecher noch deutlich spürte. In den ersten Reihen muss es ziemlich warm gewesen sein.

Aber nicht nur pyrotechnisch wurden schwere Geschütze aufgefahren. Der Bühnenhintergrund wechselte während des Auftritts mehrmals. Dieser stellte zunächst einfach einen schwarzen Hintergrund dar mit (großen) Kratzern drauf, die glatt von Wolverines Krallen verursacht worden sein könnten. Später sah man dort Hochhäuser. Die Beleuchtung erstrahlte in einem weiten Farbspektrum, sodass man eigentlich immer irgendwas zu sehen hatte. Die Band selbst war gemäß dem Cover von "Liebe Ist Für Alle Da" dunkel gekleidet.

Schon vor dem Konzert fragten wir uns "Hängen da oben Puppen über der Bühne?". Während Wiener Blut sollten wir herausfinden: Ja, es waren tatsächlich Puppen. Zunächst aber forderte Till, gemäß dem Songtext "Leise, leise wollen wir sein", per Gesten die Menge zu Ruhe auf. Auf der Bühne stand plötzlich ein Grammophon und das Lied begann zu spielen. Zwischendurch wurden dann die Puppen, die an Seilen hingen, ein wenig herabgelassen, aber nur um später mit Knalleffekten von den selbigen abgetrennt zu werden. Anschließend gab es Frühling In Paris auf die Ohren, ganz ohne knallige Effekte, was sich aber beim nächsten Titel ändern sollte.

Eingeleitet wurde das nächste Stück von etwas, das es sonst auf Rammstein-Konzerten nicht gibt: Einer Ansage an das Publikum. Sie lautete in etwa "Das nächste Stück ist zensiert", woraufhin natürlich klar war, was als nächstes kommen würde. (Man beachte auch die Wortwahl: "zensiert", statt "indiziert".) Gespielt wurde allerdings nicht das Lied mit seinem Originaltext, sondern eine leicht abgewandelte Version. Stellenweise tat der Herr Lindemann einfach so, als würde er etwas ins Mikro singen, teilweise fing er einzelne Zeilen tatsächlich an zu singen und verschluckte dann den Rest der Zeile. An wieder anderen Stellen wurde dann einfach der eigentliche Text umgemodelt, so hieß es im Refrain dann nicht "Tut mir nicht Leid", sondern "Tut mir Leid". Sehr nette Idee. Mehr als nur nett war folgende Idee, die während dieses Stückes umgesetzt wurde: Zwischenzeitlich schnappte sich Till den flüchtenden Flake und warf ihn in eine Badewanne. Till selbst nahm ein milchkannenartiges Gefäß zur Hand, welches daneben platziert war, und wurde dann auf einer kleinen Plattform ca. 5-6m in die Höhe befördert, von wo aus er aus besagtem Gefäß Funken auf den in der Wanne liegenden Flake regnen ließ, die bei ihrer Ankunft explodierten. Ab da lief Flake in einem "sexy" silberglänzenden Anzug auf der Bühne rum. Er lief sogar, als er eigentlich stehen sollte, denn zwischen seinen Keyboards waren Laufbänder angebracht, die sich sowohl parallel als auch senkrecht zum Publikum bewegen ließen. Auf die Art hat er sicher den einen oder anderen Kilometer während des Auftritts zurückgelegt.

Anschließend gab es dann den Titeltrack des aktuellen Albums gefolgt von Benzin. Während letzterer Titel gespielt wurde, stand eine Zapfsäule auf der Bühne, vor der sich Till während des Refrains immer wieder niedergekniet hat, getreu dem Motto "Ich brauch Benzin!". Mit Links 2, 3, 4 folgte ein weiterer moderner Klassiker der Band und mit Du Hast ein echter Klassiker, dann ging es aber auch schon wieder zurück zum aktuellen Werk.

Auf der Rechnung, die mit den Tickets kam, stand im Kleingedruckten etwas von Showeffekten mit Schaum und man fragte sich, was das wohl für ein Effekt werden solle. Spätestens als dann aber Pussy gespielt wurde und sich Till während des Songs auf eine fleischfarbene Schaumkanone setzte war klar, was der "Schaum" darstellen sollte. Die ersten Reihen sind dabei jedenfalls sicherlich reichlich feucht geworden. Als weiteren Effekt gab es dann bunte Papierschnipsel, die per Kanone ins Publikum gefeuert wurden, was insgesamt auch ein schöner Anblick war.

Das war es dann auch schon mit dem eigentlichen Auftritt. Aber Rammstein können natürlich nicht mit einem einfachen "Danke Köln!" abhauen ohne mindestens eine Zugabe gespielt zu haben. Die gab es dann auch in Form der drei Titel Sonne, Haifisch und Ich Will.
Doch auch damit noch nicht genug, denn es gab noch eine zweite (Mini-)Zugabe. Neben Weißes Fleisch das einzige Lied der ersten beiden Alben an diesem Abend: Der Klassiker Engel. Das erste Lied, das ich jemals von Rammstein gehört habe. Zu diesem Anlass wurden dann auch nochmal die Pyros ausgepackt und Till kam mit Engelsflügeln auf die Bühne, die sich zum einen spreizen ließen und zum anderen an jeder Seite einen Flammenwerfer integriert hatten. Da hieß es für die ersten Reihen mal wieder schwitzen.

Das war dann aber tatsächlich das Ende eines genialen Auftritts, der neben den üblichen Feuer (und neuerdings auch Schaum-)Effekten geprägt war vom aktuellen Album, das die Hälfte der Setlist des Abends stellte. Ich denke, so gut ich "Liebe Ist Für Alle Da" auch finde, dass man sicher zwei Titel noch hätte rauslassen und dafür zwei Klassiker mehr spielen können. Aber das ist Jammern auf verdammt hohem Niveau. Ein Konzert, bei dem so mancher wahrlich Feuer und Flamme war, z.B. der arme Kerl, der dachte, er könne über die Bühne rennen. Da hat er aber nicht mit Herrn Lindemanns Flammenwerfer gerechnet. Till hat selbigen nämlich mal eben auf besagten Kerl gerichtet und ihn angefackelt. Der lief dann noch ein Mal brennend die Bühne rauf und runter, ehe er gelöscht wurde. War natürlich nur gestellt, dennoch nett anzusehen.

Fazit: Rammstein, wann spielt ihr wieder in Köln?

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Rammstein Setlist:
01: Rammlied
02: B********
03: Waidmanns Heil
04: Keine Lust
05: Weißes Fleisch
06: Feuer Frei
07: Wiener Blut
08: Frühling In Paris
09: "Das zensierte Lied"
10: Liebe Ist Für Alle Da
11: Benzin
12: Links 2, 3, 4
13: Du Hast
14: Pussy
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15: Sonne
16: Haifisch
17: Ich will
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18: Engel

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 01. Dezember 2009 um 08:33 Uhr
 

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