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Rock Area, Loreley, 20. - 22. August 2009 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Philipp Klein   
Sonntag, den 06. September 2009 um 16:08 Uhr

Lange Haare und schöner Gesang, so lockte der Sage nach nicht nur die Nixe Loreley Schiffe an, um sie an den Felsenriffen zerschellen zu lassen. Auch Metaller werden gerne von langen Haaren und (mehr oder minder) schönem Gesang gelockt; wenn auch selten in weiblicher Form. So wurden auch wir, neben ungefähr 7000 weiteren Besuchern, dieses Jahr von der Loreley angezogen, denn das Rock Area Festival rief.

Die Anreise zum Gelände verlief problemlos, die Loreley war schon frühzeitig ausgeschildert. Doch bevor man sein Zelt aufbauen durfte ging es für die meisten Anreisenden, so auch für uns, in die Polizeikontrolle. Die Beamten waren allerdings sehr freundlich und die Prozedur schnell abgehandelt. 
Ein Tipp für alle, die nächstes Jahr zum Rock Area fahren wollen: Nehmt windsichere Sachen mit. Bei der Hitze des Donnerstags recht angenehm, war der Wind am Freitag doch eher unschön und auch ein Pavillon in unserer Nähe hat ihm nicht standhalten können.
Das Festivalgelände war mehr als großzügig bemessen, einige abgesteckte Bereiche waren nicht mit Zelten befüllt. Die Dixies am Campinggelände hätten etwas häufiger geleert werden können. Andererseits gab in der Nähe des Eingangs zum Festivalgelände noch die Sani City, mit Duschen und wassergespühlten Toiletten, die konstenfrei genutzt werden konnten. Weit laufen musste man dafür auch nicht, da man selbst von der entlegensten Ecke des Campinggeländes nicht mehr als fünf Minuten zum Festivalgelände brauchte. 

Eines der Highlights des Festivals war die Bühne selbst. Gegenüber dem Eingang zum Festivalgelände deutlich tiefer gelegen, ging es nach einem kurzen Stück Wiese in Stufen zur Bühne hinunter. Durch diese Konstruktion konnte man quasi von überall auf die Bühne sehen, egal ob sitzend oder stehend. Der Sound war in den hinteren Reihen gewohnt besser als weiter vorne, ungewöhnlich war jedoch die Anfälligkeit der Anlage gegenüber "Double Bass"-Attacken, so dass die Gitarren dadurch fast vollständig überdeckt waren. Zeitweise fiel auch mal der Bass komplett weg. Alles in Allem war der Klang jedoch in Ordnung. 

Festivalüblich waren die Preise gesalzen aber noch im Rahmen, ein 0.3l Getränk kostete z.B. an den Ständen 2,50€. Für diejenigen, die zu faul waren sich dorthin zu bewegen, liefen noch Bierboten durchs Publikum, die den Gerstensaft direkt an den Mann brachten. Dieser Luxus kostete allerdings gleich mal einen Euro Aufpreis. Die Essenpreise bewegten sich in ähnlichen Regionen, dafür war aber vom Burger über die Bratwurst sowie Knoblauchbrot bis hin zum Döner eine reiche, wenn auch etwas einseitige, Palette geboten.

Donnerstag - Ein gelutschter Schwanz, ein glücklicher Schwanz


Wer jetzt denkt, es ginge hier um Tipps für die schnelle Nummer im Zelt, liegt falsch. Vielmehr war dies der Spruch, den Hammerfall-Gitarrist Oscar Dronjak als Leuchtschrift auf seine Gitarre gebannt hatte. Aber bevor die fallenden Hämmer ihren Auftritt hatten, ging es gegen 18:45 Uhr mit den Excrementory Grindfuckers los, die bei strahlendem Sonnenschein und brütender Hitze ihre einzigartige Kombination aus Schlagern und Popmusik garniert mit einer ordentlichen Portion Grindcore gewohnt lustig über die Bühne brachten. Die baulichen Gegebenheiten machten die bei einer solchen Tanzveranstaltung üblichen Bewegungsriten leider unmöglich, doch die Herren auf der Bühne wussten um Abhilfe. "Moshpit und Pogen sind hier laut Vorschrift leider nicht erlaubt, aber von einer Polonaise stand da nichts." Daraufhin machte sich auch gleiche eine Meute Tanzwütiger auf und marschierte einmal quer durchs Publikum.
Nach kurzer Umbaupause erklommen die österreichischen SM-Teufel von Belphegor die Bühne und bretterten einen Song nach dem anderen hin. Für Fans der Band, trotz des in den vorderen Reihen eher mauen Sounds, ein sehr gelungener Auftritt, wurden doch einige Hits gespielt, aber natürlich auch einiges vom aktuellen Album "Bondage Goat Zombie". Wer die Band nicht kannte, hatte sicher auch seinen Spaß, aber wohl eher, weil die Truppe für Nichteingeweihte, mit ihrer Mischung aus Sex und Satanskult eher unfreiwillig komisch rüberkam; besonders als Helmuth eine dem Millieu entsprechende Maske aufzog und sich mit Kunstblut übergoss.
Als sich die Sonne langsam dem Horizont entgegen neigte und selbigen in rötliches Licht tauchte, kamen Heaven Shall Burn auf die Bühne. Die Band zog mit ihrer Bühnendeko gleich, die aus einem großen Backdrop mit stilisierter roter Sonne bestand. Musikalisch boten sie guten Metalcore, der bei den Zuschauern sehr gut ankam.
Doch zurück zu Herrn Dronjak und seinen Gitarrenfantasien. Während der längsten Pause des Tages errichteten die Bühnenarbeiter der Schweden eine Reihe großer Podeste, gekrönt durch ein Passepartout-ähnliches Logo, durch das während der Vorstellung immer wieder Flammen schlugen. Hammerfall selbst traten im szenetypischen Jeans- und Lederlook vor das wartende Publikum und heizten der nun ziemlich großen Menge, die die gute Stimmung der Band aufnahm, von Beginn an ordentlich ein. Es soll nicht verschwiegen werden, dass Oscar Dronjak an diesem Abend nicht der einzige auf der Bühne war, der einen besonderen Bezug zu seinem Geschlechtsteil hatte. So verkündete Sänger Joacim Cans als Antwort auf eine Publikumsreaktion: "There's some movement in my pants now.".

Freitag - Stilbruch


Der erste Stilbruch des Tages erfolgte bereits in der Nacht zum Freitag. Nach der Hitze des Donnerstags gewitterte es bereits gegen 2 Uhr, was akuten Schlafmangel zur Folge hatte. Bis in den Nachmittag hinein regnete es, mit kleinen Trockenpausen, durch. So ersparten wir uns dann auch die ersten drei Bands. Erst zu Hackneyed, allerdings noch immer im Regen, ging es wieder vor die Bühne. Die als Tokio Hotel des Death Metal verschriene Band, die ja bereits ihren ersten Lineup-Wechsel zu verzeichnen hatte, zog ihr Set allerdings gewohnt professionell durch und spielte neben Klassikern wie Gut Candy auch einige Stücke des zuletzt erschienenen Albums "Burn After Reaping". Einige Zuschauer ließen es sich natürlich nicht nehmen auch in der großen Pfütze vor der Bühne zu pogen. Wem's Spaß macht.
Auch die darauf folgenden drei Bands ersparten wir uns.
Weiter ging es erst gegen 19 Uhr mit den Kieler Black Metallern Endstille. Die Einen genießen auschweifende und nihilistische Klangmalereien, die anderen Schlafen ein. Geschmackssache.
Von deutschen Kriegsgeschichten zu schwedischen Panzerbataillonen. Sabaton können mit ihrem aggressiven und zugleich melodischen Powermetal mittlerweile durchaus als Stimmungsgaranten bezeichnet werden. Selten bot sich an diesem Wochenende eine derart ausgelassene Stimmung wie beim Auftritt der sechs Schweden. Gespielt wurde eine ausgewogene Mischung der bisherigen Hits der Band und wie üblich würzte Sänger Joakim Brodén seine Ansagen mit allerlei Anspielungen auf sein Glied (man sollte mal eine Untersuchung über die kausalen Zusammenhänge zwischen schwedischem Powermetal und Penisfixierung durchführen). Am fragwürdigsten war sicherlich die Überleitung von der mittlerweile allgegenwärtigen Polonaise zu... ihr wisst schon was. Das Teil ist "made of Panzer" und dann gabs ein ganzes Bataillon auf die Ohren. Prost!
Der zweite Stilbruch des Tages kam schließlich in Form der Band Schandmaul. Wie Sänger Thomas Lindner selbst treffend feststellte, gab seine Kapelle, im vergleich zum Gebolze des übrigen Tages, eine Art Gegenpol. Künstlerisch war die Gebotene Mischung aus Folkrock und mittelalterlichen Klängen durchaus ansprechend und zudem hatte man die Gelegenheit die Gehörgänge vor dem nachfolgenden Amon Amarth Auftritt etwas zu entspannen.
Der zweite Schweden-Headliner des Fest-Evils ließ ein wenig auf sich warten, obwohl Amon Amarth eine für sie ungewöhnlich magere Bühnendeko aufboten. Hervor stach lediglich das riesige Backdrop mit dem Cover des aktuellen Albums "Twilight Of The Thunder God". Was die Bühnenshow angeht gilt: Hat man Amon Amarth einmal gesehen, kennt man sie. Aufregendes boten sie nicht, waren aber gewohnt gut drauf und zogen das Publikum mit. Die Setlist setze sich hierbei vor allem aus den beiden letzten Veröffentlichungen der Schweden zusammen. Unter den elf Songs befanden sich nur drei ältere (und obligatorische) Stücke, Victorious March, Death In Fire und Pursuit Of Vikings. Echte Überraschungen blieben aus. Eine Sondereinlage gab Bassist Ted Lundström, der fast von der Pyrotechnik erfasst worden wäre. Da hat wohl jemand zu oft Death In Fire gespielt. Selbiger Titel war traditionell natürlich die letzte Zugabe.

Samstag - Frontmänner im Nebel


Nein, es gab keine weitere Wetterneuausrichtung, vielmehr waren die Nebelmaschinen die Tage zuvor wohl etwas unterlastet und mussten dies am Ende vom Samstag korrigieren.
Noch bevor die erste Band die Bühne betrat, machten bereits Bolt Thrower auf sich aufmerksam. Wie für die Band üblich, brachten sie ihr Merchandising selbst mit und bauten dazu auch noch ihren eigenen Verkaufspavillon auf. Da dies allerdeings etwas länger dauerte standen einige Leute bis zu drei Stunden in der wiedererstarkten Sonne um eines der begehrten T-Shirts oder Pullis zu ergattern.
Musikalisch begann der Tag mit der relativ kurz vor Festivalbeginn angekündigten Special Kickoff Show der New York Hardcore Veteranen von Agnostic Front, die auch diejenigen durchaus überzeugen konnten, die bisher noch keinen Kontakt zu der Band hatten. 
Nach einer kurzen Pause von sechs Bands (*räusper*), ging es gegen Abend weiter mit den Deutschen Brainstorm. Durchaus motiviert spielten sie ihren Power Metal runter, der aber nicht besonders abwechslungsreich war.
Vielen war schon aufgefallen, dass Brainstorm länger spielten, als in der Running Order angegeben. Der Grund dafür war, dass sich die Schweizer Jungs und Mädels von Eluveitie wohl etwas zu spät auf den Weg gemacht hatten und im Stau aufgehalten wurden. Daher gab es dann nach dem Auftritt von Brainstorm eine Ansagen diesbezüglich und es wurde versprochen, dass, falls die Band es nicht mehr rechtzeitig schaffen würde, die drei nächsten Bands entsprechend länger spielen dürften. Eines vorweg: Das hat so nicht ganz hingehauen, mehr dazu später.
Zum Thema Abwechslung trugen auch Onslaught nicht mehr bei als Brainstorm, gingen jedoch musikalisch in die härteren Gefilde des Thrash Metal über.
Nachdem nun Onslaught und Brainstorm mehr Spielzeit hatten und selbiges auch für die zwei Kracher zum Abschluss versprochen wurde, hätte man erwarten können, dass Kreator etwas früher anfangen würden. Dem war allerdings nicht so, sie fingen pünktlich um 21:25 mit ihrer Show an und hörten fast genauso pünktlich wieder auf.
Die Show selbst war, wie immer bei Kreator, klasse. Es wurden natürlich die Klassiker Pleasure To Kill und Flag Of Hate gespielt, aber auch sehr viel vom aktuellen "Hordes Of Chaos". Ebenfalls Kreator-typisch waren die Videoeinspielungen (inklusive des ulkigen Videos zu Violent Revolution). Und was darf bei einem Auftritt von Kreator nicht fehlen? Genau, (unfreiwillig) lustige Ansagen des guten Mille. "Es ist sehr schön hier in der Loreley spielen zu können...auf der Loreley....wie auch immer", oder auch "Das sieht super schön aus. Die Loreley ist eine sehr schöne Lokali...Li...Lokation". Zitate sinngemäß. 
Nach Kreator kam schließlich die Hauptattraktion des gesamten Festivals auf die Bühne. Bolt Thrower sind eine Macht, ohne Zweifel. Auch vor Ort lies sich wieder erkennen, woher der gute Ruf der Band stammt, das Merchandise war deutlich günstiger zu haben als das der Kollegen, die Bandmitglieder beteiligten sich selbst am Standaufbau und am Verkauf. Auch in musikalischer Hinsicht sind Bolt Thrower seit Jahren eine der beständigsten Bands der Szene und ihre Ankündigung, auf ein neues Album zu verzichten, bis geeignetes Material zustande käme, hat den ideellen Wert der Band unter ihren Fans sicher nochmal gesteigert. So stand die Menge gegen 23 Uhr schließlich gespannt vor der Bühne und lauschte nach dem raschen Soundcheck der Intromusik. Den wahrscheinlich schnellsten Soundcheck in Geschichte lieferte Sänger Karl Willets: *Nuschel* "Sounds like it should work". Wie üblich machten Bolt Thrower bei ihrem Auftritt keine Kompromisse und walzten alles mit der Intensität eines Panzers nieder. Hier muss leider auch ein kleiner Kritikpunkt angebracht werden, der jedoch vor allem mit dem Sound zusammenhängt. Bolt Thrower leben von den Leads und Soli ihres Gitarristen Baz Thomson, dessen Instrument war im Gesamtsound jedoch oft nur zu erahnen, so dass den Songs doch einiges ihrer Magie abging. Ein Erlebnis war es trotzdem. Die Band präsentierte eine bunte Mischung aus alten und neuen Klassikern ihrer Geschichte, so fanden sich etwa Cenotaph, Mercenary und The Killchain im Programm wieder. Ähnlich wie Mille zuvor schien sich allerdings auch der gute Karl mit seinen Ansagen ab und zu im Nebel zu bewegen, was sich vor allem in einem zum Teil absolut unverständlichen Genuschel äußerte.
Leider kam es im Zusammenhang mit Bolt Thrower auch zum größten Ärgernis des gesamten Festivals. Wie oben bereits angesprochen war die durch Eluveitie entstandene Lücke bereits zu Beginn des Kreator Auftritts komplett aufgebraucht. Zusammen mit der Tatsache, dass Mille und seine Leute trotzdem ein paar Minuten mehr bekamen und, im Gegensatz zum Vortag, die 0.00 Uhr Grenze plötzlich peinlichst genau eingehalten wurde, war für Bolt Thrower nach dem grandiosen When Canons Fade, ohne Zugabe, Schluss. Die Briten hatten damit von allen Headlinern die kürzeste Spielzeit. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich hierbei für dieses Jahr um die einzige Festivalshow in Europa handelte, sehr ärgerlich, was sich auch an den Gesichtern der Band ablesen lies, vielmehr jedoch noch an den enttäuschten Rufen der Fans nach einer Zugabe.

 

Florian Schöler, Philipp Klein

 

Link: www.rockarea-festival.com

Line-Up:

Donnerstag, 20.08.2009: Hammerfall, Heaven Shall Burn, Belphegor, Excrementory Grindfuckers

Freitag, 21.08.2009: Amon Amarth, Schandmaul, Sabaton, Endstille, Maroon, Dimple Minds, Callejon, Hackneyed, Godslave, Wanderreigen, Clean State

Samstag, 22.08.2009: Bolt Thrower, Kreator, Agnostic Front, (Eluveitie), Onslaught, Brainstorm, A.O.K., Letzte Instanz, Lamera, Noise Drug, Mutterschutz, Icon

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. September 2009 um 16:33 Uhr