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Iced Earth - Köln - 08.10.2007 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Florian Schöler   
Mittwoch, den 05. März 2008 um 21:52 Uhr

Im Oktober 2007 bespielten Iced Earth die Kölner Live Music Hall. Lest hier einen Konzertbericht unseres Lesers Philipp Klein.

Selten war ich auf ein Konzert so gespannt wie auf dieses. Zwar sollte ich Iced Earth an diesem Abend bereits das dritte Mal sehen, doch waren die Vorzeichen völlig andere als die beiden früheren Male. Wie würde der Ripper live und vor allem mit den alten Songs funktionieren? Würde das Konzert als absoluter Matt Barlow Fanboy überhaupt zu ertragen sein? Soviel sei vorab verraten: er hat und es war.

Doch zuerst zu den beiden Vorbands (auch wenn diese Bezeichnung für eine Band mit der Geschichte Annihilators geradezu Hohn ist, leider ist es ja für einige alte Helden mittlerweile an der Tagesordnung die „Anheizer“ für die neuen Größen der Szene zu geben).

Nach einer langen Wartezeit (die Anfangszeiten auf Ticket und Webseite der Live Music Hall in Köln stimmten nicht überein und so galt, natürlich, der spätere Zeitpunkt, weshalb wir uns ewig die Beine in den Bauch gestanden haben) enterten endlich die Finnen von Turisas die Bühne. Außer einem beträchtlichen Ruf über ihre Livetauglichkeit und ihrer famosen Rasputin-Cover war ich von der Band völlig unberührt. Leider hat der Auftritt es nicht geschafft, mein Interesse an den Jungs merklich zu steigern. Keine Frage, der Einsatz auf der Bühne stimmte, alle gingen offensichtlich hoch motiviert zu Werke und das Line-Up ist mit Akkordeon und Fidel durchaus als abwechslungsreich zu bezeichnen und doch konnte mich keiner der Songs (außer der bereits erwähnten Boney M. Coverversion)  überzeugen. Alles in allem war ich etwas enttäuscht, gerade mit dieser Instrumentierung müsste in Sachen Songwriting deutlich mehr drin sein.

Kurz darauf kamen die kanadischen Speed Metal-Helden Annihilator auf die Bühne. Hier hatte ich zwar etwas mehr Vorwissen (eine CD im Regal und die Lektüre der Bandgeschichte), aber insgesamt muss man, bei aller musikalischen Klasse (das Dargebotene war, rein technisch betrachtet, ein absoluter Leckerbissen, vor allem die Gitarrenarbeit von Jeff Waters und Dave Padden), unterstellen, dass sich viele Stücke einfach zu sehr ähneln. Zudem war die Band, abgesehen von Bandleader Waters selbst, einfach zu statisch auf der Bühne. Im Gedächtnis blieben so nur das geniale King Of The Kill, Clown Parade vom aktuellen Album „Metal“ und die Tatsache, dass ich von einer Metal-Legende (um die es sich zweifelsfrei handelt) vielleicht doch etwas mehr erwartet hätte.

Nach einer weiteren Umbaupause ging der Abend endlich zu seinem Hauptteil über. Iced Earth betraten sichtlich gut gelaunt die Bühne und insgesamt muss man allen Beteiligten attestieren, das Bestmögliche geboten zu haben, auch die beiden weiteren neuen Männer neben Tim Owens (Troy Seele an der Gitarre und Dennis Hayes am Bass) lieferten, neben Rückkehrer Brent Smedley am Schlagzeug und nicht zuletzt Bandleader Jon Schaffer, eine gute Show, doch der Ripper übertrumpfte sie alle. Auch wenn ich mit seiner Stimme wohl niemals richtig warm werde, auf der Bühne war mir der Bursche äußerst sympathisch, es gab von seiner Seite aus viel Kommunikation mit dem Publikum und der Mann hatte sichtlich Spaß an der Sache.
Damit bin ich dann auch schon beim nächstwichtigsten Punkt, der Songauswahl. Zu Anfang hatte ich schon die Befürchtung, dass die Band bei Iron Maiden abgeschaut hätte und ihre, im Gegensatz zum letzten Glanzstück der Jungfrauen eher mittelmäßige, neue Scheibe am Stück durchspielen würde. Zum Glück wurde ich nach Setian Massacre geradezu erlöst und mit Burning Times kam das erste Lied der Barlow-Ära und auch gleich eines der Glanzstücke des Abends. Zwar waren, Intros mitgezählt, 11 der 20 dargebotenen Stücke von den letzten beiden Alben, doch wussten einige Songs live deutlich mehr zu überzeugen als aus der Konserve und das alte Material, bis auf „Burnt Offerings" waren alle Alben vertreten, stellte sich auch mit dem Ripper als nahezu unantastbar heraus. (Selbst Melancholy  einigermaßen, was ich Tim niemals zugetraut hätte, Matt Barlows schaurige Melancholie konnte er allerdings zu keinem Zeitpunkt transportieren). Alles in allem gefielen die schnellen alten Stücke, wie zu erwarten war, am besten, richtig stark war Owens bei der Bandhymne Iced Earth und den Slashern Violate und Vengeance Is Mine. Klasse waren auch die Momente, in denen Jon Schaffer selbst ans Mikro trat, so geschehen bei Stormrider, sowie Hold At All Cost, bei dem Herr Schaffer, wie auf CD, eine Art Zwiegespräch mit dem Ripper zum Besten gab.

Alles in allem muss man von einem sehr gelungenen Konzert sprechen, die 2,5 Stunden Mammutshow vom letzten Konzert der Band in Köln, damals noch mit Barlow als Sänger (und einer auch ansonsten, bis auf Jon, komplett anders besetzten Band), wird wohl auf Ewig unerreicht bleiben, trotzdem sind Iced Earth live immer noch eine Großmacht und damit weiterhin absolut zu empfehlen. Zuletzt sei noch erwähnt, dass Matt Barlow zur Band zurückgekehrt ist, weshalb das mit der Ewigkeit, sollte es noch einmal zu einer Tour kommen, vielleicht doch etwas relativiert werden muss.
 
Iced Earth Setlist:
Overture
Something Wicked (Part 1)
Invasion
Motivation Of Man
Setian Massacre
Burning Times
Declaration Day
Stormrider
A Charge To Keep
Violate
Vengeance Is Mine
Waterloo
The Hunter
Ten Thousand Strong
Dracula
Hold At All Cost
High Water Mark
--------------------------
Melancholy (The Holy Martyr)
My Own Savior
Iced Earth

 Vielen Dank für die Einsendung an Philipp Klein!

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 06. März 2008 um 10:50 Uhr