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Communic - The Bottom Deep PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Bartosz Dowhan   
Mittwoch, den 03. August 2011 um 17:20 Uhr

"I dedicate this album to my daughter Sofie. All these thoughts came from you. Rest in peace". Wer sich nach dem ersten Hören von "The Bottom Deep" gefragt hat, wieso das neue Communic-Album musikalisch so düster ausgefallen ist und durchgehend von Verlust und Schmerz handelt, erfährt es am Ende vom Booklet. Sänger und Gitarrist Oddleif Stensland hat einen schweren Verlust hinter sich - und die Gedanken zum Tod seiner Tochter in neun Songs gepackt.

Die Norweger Communic haben sich mit ihren ersten drei Alben recht schnell einen Namen in der Metal-Szene gemacht. Ihre Mischung aus traditionellem (amerikanischem) Power- und Progressive-Metal hat bei vielen ein offenes Ohr gefunden. Ihre Songs sind durchgehend hart und anspruchsvoll, allerdings ohne die prog-typische Frickeligkeit, die nach einer Weile ermüdend sein kann. Darüber hinaus hat Oddleif Stensland es geschafft, einen eigenen Gesangsstil zu kreieren, der ihn aus der Masse der Sänger deutlich hervorhebt. Die Steigerung seiner stimmlichen Fähigkeiten ist von Album zu Album deutlich hörbar - und auch seine Art und Weise Gitarre zu spielen ist inzwischen fast unverwechselbar.
Aufgrund dieser Eigenarten haben Communic allerdings auch ein kleines Image-Problem: Ihnen wird oftmals vorgeworfen nur eine Kopie von Nevermore zu sein - meiner Ansicht nach völlig ungerechtfertigt, da die stilistischen Unterschiede doch deutlich hörbar sind. Meine Fähigkeit diesen Vorwurf nachvollziehen zu können, ist dementsprechend begrenzt. Daher wird sich jeder selbst herausfinden müssen, ob dies nun zutrifft oder nicht.
Wie bereits erwähnt, ist "The Bottom Deep" kein leicht zu verdauendes Album. Nicht nur die Thematik ist düster und anspruchsvoll auch die Songs sind in sich sehr komplex und nicht besonders leicht zugänglich - zumindest dann nicht, wenn man mit dem Stil dieser Band nicht bereits vertraut ist. In diesem Sinne hat sich gegenüber den Vorgängeralben nichts verändert, jedoch lässt sich "The Bottom Deep" deutlich besser anhören als der Vorgänger "Payment Of Existence". Dieser krankt leider an einer gewissen Monotonie. Zwar sind auch dessen Lieder recht anspruchsvoll und fein ausgearbeitet, jedoch unterscheiden sie sich kaum voneinander. Man bekommt daher das Gefühl, "Payment of Existence" würde aus acht gleichen Songs bestehen. "The Bottom Deep" hingegen bietet wieder deutlich mehr Abwechslung und reicht dabei sogar fast an das Meisterwerk "Waves Of Visual Decay" heran - sofern man sich genügend Zeit dafür nimmt.

Das Album beginnt mit Facing Tomorrow und hier wird schon klar, dass Communic in Sachen Härte nochmal ein gewaltiges Stück zugelegt haben. Der Song zieht konsequent nach vorne, kurz unterbrochen von einer kurzen Frickeleinlage, die in einen überaus melodischen Refrain mündet, der an dieser Stelle ziemlich unerwartet kommt. Das folgende Denial ist zumindest textlich der wohl beste Song des Albums und behandelt die Frage, wie Menschen mit dem Tod von geliebten Personen umgehen, wenn sie nicht an Himmel und Hölle glauben. Wird man sich irgendwann wiedersehen oder ist die Hoffnung darauf aussichtslos? Die übrigen Texte sind jedoch nicht so leicht greifbar, weswegen hier auch darauf verzichtet werden muss näher darauf einzugehen. Da wird sich jeder sein eigenes Bild machen müssen. Alles andere würde den Texten in diesem Rahmen auch nicht gerecht werden. Musikalisch beginnt der Song mit den für Communic so typisch klingenden cleanen Gitarren, die immer mal wieder auf dem Album auftauchen. Im weiteren Verlauf gehen diese in ein unheimlich düsteres Riff über. Im Vergleich zu den ersten beiden Songs ist Flood River Blood fast eine Happy-Metal-Nummer - dies liegt vielleicht auch daran, dass der Refrain kurzzeitig an Time What Is Time von Blind Guardian erinnert. Das Stück wechselt zwischen cleanen Passagen, offenen und harten Riffs und ist daher nicht nur aufgrund dieser Abwechslung der wohl beste Song des Albums - auch gesanglich wird nochmal eine Schippe draufgelegt. Während Flood River Blood schnell ins Ohr geht, sind die nachfolgenden Voyage of Discovery und In Silence With My Scars die komplexesten Songs des Albums, die aufgrund ihrer vielen verschiedenen Riffs deutlich mehr Zeit benötigen. Im Vergleich zum Rest sind dies auch die Schwachstellen, da dem eh schon recht komplexen Gesamtwerk somit etwas an Fahrt genommen wird. Mit der Zeit wachsen aber auch diese beiden Songs. My Fallen hingegen ist wieder eine Ohrwurmnummer. Der Song beginnt für diese Album-Verhältnisse sogar fast fröhlich und beinhaltet eines der schönsten Riffs, die je geschrieben worden sind. Dafür mäht der Refrain so ziemlich alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt.
Das Anfangsriff von Destroyer Of Bloodlines könnte auch gut auf einem x-beliebigen Album von Amon Amarth zu finden sein. Diese Nummer beginnt schwach, kann sich aber im weiteren Verlauf doch deutlich steigern. Der Refrain klingt eher untypisch für Communic. Mit A Wayward Soul gibt es noch eine verdammt melodische Nummer, die trotz des ernsten Themas zu jeder Sekunde Spaß macht.
Das eigentliche Schlussstück The Bottom Deep ist die erste reine Akustiknummer, die Communic geschrieben haben - und hier wird man nach dem eher epischen A Wayward Soul wieder unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Am Ende steht noch eine Coverversion von Overkills In Union We Stand, die allerdings nicht weiter erwähnenswert ist.

Communic klingen immer noch wie Communic - d. h. sie haben ihren eigenen Stil beibehalten und sich bequem darin eingerichtet, auch wenn es diesmal etwas düsterer zugeht als auf den übrigen Alben. An die "Waves Of Visual Decay" reicht "The Bottom Deep" zwar nicht ganz heran, aber das hat hoffentlich auch niemand ernsthaft erwartet. Die "Payment of Existance" bleibt damit hoffentlich ein Ausrutscher - dennoch besteht durchaus die Gefahr, dass Communic an ihre Grenzen kommen, wenn sie sich in ihrem Stil zu sehr festfahren. Das wird jedoch erst die Zukunft zeigen. Am Ende gibt es 8 Punkte für eine ganze Reihe von klasse Songs und für die Tatsache, dass ich diesem Album zunächst eher skeptisch gegenüber gestanden habe und nun aber doch überzeugt worden bin.


Anspieltipps: Flood River Blood, My Fallen, A Wayward Soul

Wertung: 8/10

Weitere Informationen:

VÖ: 22.07.2011
Spielzeit: 60:14
Genre: Power/Progressive Metal
Label: Nuclear Blast
Homepage: http://www.communic.org/

Besetzung:

Oddleif Stensland (Gesang, Gitarre)
Erik Mortensen (Bass)
Tor Atle Andersen (Schlagzeug)

Titelliste:

01. Facing Tomorrow (7:44)
02. Denial (6:34)
03. Flood River Blood (5:16)
04. Voyage Of Discovery (6:50)
05. In Silence With My Scars (6:23)
06. My Fallen (6:53)
07. Destroyer Of Bloodlines (5:49)
08. A Wayward Soul (7:03)
09. The Bottom Deep (2:38)
10. In Union We Stand (5:04)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 03. August 2011 um 20:28 Uhr