| Winterhorde - Underwatermoon |
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| Geschrieben von: Philipp Klein |
| Donnerstag, den 10. Februar 2011 um 18:35 Uhr |
"Schiffbruch als Konzept, ohne musikalische Seenot", oder, "Israelische Äquatortaufe".
Langsam muss ich mich doch mehr mit der israelischen Musik-Szene beschäftigen. Nachdem Orphaned Land schon seit einiger Zeit für spannenden und teilweise progressiven Metal bekannt sind, und mit Melechesh auch eine der Speerspitzen des Black/Thrash Metal formal in Jerusalem verortet werden muss (auch wenn Ashmedi seit über 10 Jahren von den Niederlanden aus operiert), bringen nun Winterhorde aus der Gegend um Haifa ein beachtenswertes Album unter die Öffentlichkeit.
Bei "Underwatermoon" handelt es sich bereits um den zweiten vollwertigen Ouput der Band, jedoch konnten mich die älteren Hörproben im Netz nicht ansatzweise so überzeugen wie das letztjährige Album. Winterhorde unterschieden sich von den beiden zuvor genannten Szenegrößen dadurch, dass sie auf orientalische Elemente in ihrer Musik verzichten. Stilistisch könnte das ganze durchaus auch von einer europäischen Melodic Black Metal Kapelle stammen. Trotzdem fällt die stilistische Einordnung nicht ganz so leicht. Sicher sind viele Black Metal Trademarks vorhanden, etwa Blastbeats, und Sänger Horeph bedient sich häufig der eher extremen Klangfarben in seinem Spektrum, doch ebenso finden sich eher aus dem Powermetal bekannte Strukturen. Dazu kommt der angenehme Klargesang Horephs und ab und an darf auch eine Dame unterstützend eingreifen. All das wird sehr passend vermischt und wirkt am Ende äusserst kompakt und zu keiner Sekunde aufgesetzt. Im Kopf formen sich, auch unterstützt durch das äusserst gelungene Coverartwork, Bilder vom dunklen Meer, sinkenden Schiffen und Geistern der schiffbrüchigen Matrosen. Als Paradebeispiel für Lautmalerei ist hier vor allem The Curse Of The Gypsy zu nennen, bei dem die Band dann doch wieder leichte folkloristische Elemente zu Hilfe nimmt, wie Kastagnetten und passende Akustikgitarren. So entsteht ein dauerndes Auf und Ab zwischen leicht verträumten ruhigen Sequenzen und knallhartem Geholze. Ansonsten fällt es schwer, bestimmte Songs herauszuheben. Es bleibt nur festzustellen, dass die durch den Zigeunerfluch eingeleitete zweite Hälfte des Albums atmosphärisch noch dichter und begeisternder daherkommt als die schon starke erste. Übrig bleibt letztendlich eine Art Zwitter, dessen Genpool größtenteils jedoch durch die Black Metal Elemente bestimmt wird. Musikfreunde, die hiermit gar nichts anfangen können, werden trotz aller Atmosphäre eher nicht glücklich werden. Bei mir trifft das ganze jedoch genau ins Mark, weshalb ich den ersten wirklichen Überraschungs-Top-10-Einstieg eines ohnehin verdammt starken Jahres zu verzeichnen habe, dazu den dritten aus Israel (neben Orphaned Land und Melechesh). Wenn die Band sich auf diesem Niveau halten kann, dürfte noch Großes zu erwarten sein. Bleibt einzig die Frage, warum eine Band, die einst als Autumn Palace in See stach, sich einen so klischeetriefenden, ja, banalen, Namen zulegt? Anspieltipps: The Tenth Wave, The Curse Of The Gypsy, Underwatermoon, The Martyr And Deliverance Wertung: 9/10
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| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 10. Februar 2011 um 19:00 Uhr |





