| Orphaned Land - The Never Ending Way Of ORwarriOR |
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| Geschrieben von: Philipp Klein |
| Samstag, den 27. November 2010 um 15:54 Uhr |
Konservierte Genialität oder "auf Nummer sicher"? Wie präsentieren sich die Israelis sechs Jahre nach ihrem Meisterstück?
Das im Jahr 2004 erschienene Album "Mabool" der israelischen Metaller von Orphaned Land war ein Meilenstein. Mir fallen nicht viele Bands ein, die es, derart leichtfüßig, schaffen orientalische Einflüsse und anspruchsvolleren Metal in eine ansprechende Einheit zu bringen. Am naheliegendsten wäre in dieser Beziehung eventuell ein Vergleich zu Melechesh, doch unterscheiden sich die beiden Gruppen in so vielen Punkte, dass, ausser den orientalischen Elementen, eigentlich nicht viele Gemeinsamkeiten übrig bleiben. Gut, auch die Band um Frontmann Kobi Farhi kommt aus der extremen Metalecke, doch hat man sich mittlerweile zu weiten Teilen davon entfernt und von Death Metal, im Gegensatz zum Melechesh'schen Black Metal, kann man bei Orphaned Land nicht guten Gewissens sprechen. Der Einsatz von orientalischen Melodien und Instrumenten ist bei der Band noch deutlich stärker ausgeprägt als bei den Wahl-Niederländern. Wie auf dem Vorgänger rollen die Israelis auf "The Never Ending Way Of ORwarriOR" einen bunten Teppich aus morgenländischen Melodien und Instrumenten, progressiven Rock und Metal Teilen und giftigen Death Metal Elementen aus. Noch mehr als damals jedoch unterliegt diesmal das Songwriting den Gesetzen der transportierten Geschichte, denn auch das aktuelle Werk ist erneut ein Konzeptalbum. Wurde auf "Mabool" noch den drei großen abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) und deren Ursprüngen auf den Zahn gefühlt, begeben sich Farhis Texte diesmal in eine Art Freiheitskampf. Es wird die Geschichte des "Orwarrior" erzählt, was übersetzt wohl so etwas wie "Krieger des Lichts" heißen soll. Beschäftigt man sich mit den Texten und auch den diversen Interviews, wird schnell deutlich, dass es hier es im Grunde um den seit Ewigkeiten schwehlenden Konflikte der Menschen in Israel und der Umgebung geht. Orphaned Land wollen aufrütteln, möchten Vermittler und Kommunikatoren sein. Einen kleinen Erfolg haben sie in dieser Hinsicht scheinbar schon erreicht, denn laut Kobi Farhis Aussagen hat die Band nicht nur in Israel und der westlichen Welt eine Fan-Basis, sondern wird auch immer wieder von Fans aus den islamischen Staaten kontaktiert, die zum Teil sogar Risiken eingehen um sich mit der Band zu identifizieren (Stichwort "Tätowierung des Bandlogos"). Sicher ist das Thema für die Band nichts Neues, denn auch Mabool war ja schon der Versuch auf die Gemeinsamkeiten der heutigen Gruppen im Nahen Osten aufmerksam zu machen, jedoch wird dieser Anspruch auf dem neuen Album konkreter.
Wie jedoch verträgt die Musik eine solches Bedeutungsgewicht? In meinen Augen ausgesprochen gut. Es lassen sich schwer einzelne Stücke aus dem Gesamtwerk herauslösen. Das Album besteht aus einem ständigen Wechsel aus Zwischenstücken und vollständigen Songs, die meist selbst wiederum aus Elementen sämtlicher beteiligter Sparten zusammengesetzt sind. Dem Hörer eröffnet sich eine Art von musikalischem Mosaik, dass zum einen die Faszination des Werkes begründet, zum anderen aber auch zu einem kleinen Nachteil gegenüber dem Vorgänger wird. "The Never Ending Way Of ORwarriOR" ist sperriger als "Mabool". Ich muss zugeben, dass ich einige Zeit gebraucht habe, bis ich den Zugang zum Herz der Platte gefunden hatte. Die ersten Male rauscht alles wie ein wilder Traum am Hörer vorbei und man kann sich allenfalls an einzelnen, besonders hell aufleuchtenden, Mosaiksteinen festhalten. Beispiele hierfür wären sicher die ersten beiden Stücke der Platte. Das vor dem Release als Video veröffentlichte Sapari, ein sehr eingängiger Folk-Rock-Song, basierend auf einem yemenitischen Volkslied, bei dem Kobi Farhi, wie bereits früher und auch auf dem Rest des Albums, von Sängerin Shlomit Levi unterstützt wird, kommt noch ganz ohne derbe Momente aus, die danach, für mein Empfinden häufiger als beim Vorgänger, einen nicht unbeträchtlichen Anteil haben. Bereits beim darauffolgenden From Broken Vessels benutzt Farhi endlich die ganze Breite seiner beeindruckenden stimmlichen Fähigkeiten und wechselt mit den häufigen musikalischen Breaks ständig zwischen gemäßigtem, hohem Gesang und Growls. Gegen Mitte des Albums vermag sich der etwas überforderte Ersthörer dann vermutlich auf die Insel zu retten, als die das sehr getragene und dramatische The Warrior aus der Flut von Eindrücken auftaucht. Die waren Glanzstücke im grellen Licht der gebotenen Musik sind letztendlich jedoch die, zum Teil fast schon wahnwitzigen, zu Beginn leicht chaotisch anmutenden Stücke vom Schlage des bereits erwähnten From Broken Vessels. So präsentiert die Band dann kurz vor Ende letztendlich das Stück, dass für mich sozusagen zum Schlüssel für den Rest des Werkes geworden ist. Codeword: Uprising ist dabei sogar noch relativ gemäßigt, bietet aber dennoch eine faszinierende Rhythmik, gekrönt durch den giftig gegrowlten Refrain. "We are the terrorists of light", eine Textzeile, die sowohl als Beschreibung für die Band wie auch das vorliegende Album gewertet werden kann. Wie stellt sich der Krieger des Lichts nun im Gegensatz zur großen Flut dar? Neigt man zur Kritik, könnte man sagen, das neue Album sei zerfahren. Andererseits zieht das Werk eben auch hieraus seinen Reiz. Es handelt sich eben nicht um eine Kopie des Vorgängers, sondern man hat sich weiterentwickelt. Insgesamt wirkt das Album dadurch nicht mehr ganz wie aus einem Guß, dafür begibt man sich in ein ständiges Auf und Ab der Musik. Die langsamen Teile bremsen mehr, dafür wirken die Wutausbrüche umso intensiver. Eine direkte Aufrechnung gegen die homogenere "Mabool" ist kaum möglich. Letztendlich muss hier jeder für sich selbst entscheiden. Für mich ist "The Never Ending Way Of ORwarriOR" seinem Vorgänger sogut wie ebenbürtig. Die gesteigerte Komplexität und Sperrigkeit wird durch frischen Kompositionen und eine hohe Abwechslung aufgewogen. Erwähnt sei noch die tolle Produktion von Porcupine Tree Mastermind Steven Wilson, die die von "Mabool", selbst beileibe nicht schlecht, locker in die Tasche steckt. So freue ich mich einfach, dass diese Band, nachdem sich die Erwartungen über die Jahre beinahe ins Unermessliche geschraubt hatten, es geschafft hat, ein weiteres Meisterwerk zu erschaffen. Das passiert nicht allzu häufig. Anspieltipps: Sapari, From Broken Vessels, Barakha, Codeword: Uprising Wertung: 10/10
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| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 01. Dezember 2010 um 15:17 Uhr |





