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Iced Earth - Framing Armageddon (Something Wicked Part 1) PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Philipp Klein   
Samstag, den 13. Februar 2010 um 10:22 Uhr

Man nehme eine große Band, eines ihrer stärksten Songkonzepte, einen fast schon legendären Sänger, und verteile alles auf Albumlänge. Heraus kommt... Ja, was eigentlich?

Anno 1998 bringen Iced Earth eines ihrer wohl meistbeachteten Alben heraus. "Something Wicked This Way Comes" schlägt ein wie eine Bombe und bietet den Fans neben zwei famosen (Halb-)Balladen vor allem ein furioses Finale aus drei Songs. Diese sogenannte Something Wicked Trilogy zeigt ohne Zweifel, wer zu dieser Zeit in Sachen hartem, leicht thrashig angehauchtem, Power Metal das Maß aller Dinge ist. Soweit so gut.
Wie es bei guten Ideen so üblich ist, und da die Songs ohnehin eine gemeinsame Storyline zu bieten haben, wird recht bald klar, dass Iced Earth Mastermind Jon Schaffer beabsichtig, das Gebotene noch weiter auszubauen. Die Idee trifft bei den Fans zunächst natürlich auf unverhohlene Gegenliebe, gehört die Trilogie doch, selbst bei vielen Kritikern, zum besten Material, dass die Band bisher zu Stande gebracht hat. Doch muss man sich natürlich fragen, ob sich solche "magischen Momente" ohne weiteres wiederholen lassen. Neun Jahre später, als sich das Album endlich ankündigt, stehen die Zeichen nicht mehr so gut. Iced Earth haben nicht nur ihren hochgelobten Frontmann Matt Barlow auf der Strecke gelassen, sondern auch zwei Alben an die Öffentlichkeit gebracht, die einen, zum Teil deutlichen, Qualitätsschwund im Songwriting aufzeigen. Zwar wurde Barlow mit Tim "Ripper" Owens durchaus hochkarätig ersetzt und die beiden zwischenzeitlichen Alben "Horror Show" und "The Glorious Burden" haben vereinzelt auch immernoch absolut hochkarätige Kaliber zu bieten, aber die Gewissheit, dass das auf Albumlänge ausgewalzte Something Wicked-Konzept ein Selbstläufer wird ist dahin.

Um es kurz zu machen, die aufkommende Beklemmung hat sich im Nachhinein betrachtet bitter bestätigt. Das vorliegende Album wirkt zum Teil fast wie ein 70 Minuten langes Versatzstück aus bekannten Motiven der Band, die vor allem aus der Titelgebenden Songtrilogie stammen und Soundeffekten, die wohl Stimmung heraufbeschwören sollen. Was bei der Trilogie des Vorgängeralbums "The Glorious Burden" noch hervorragend funktioniert hat, reisst hier, auf Albumlänge, aber immer wieder Löcher in den Fluss der Musik, die einem leider öfter aufstoßen und anstatt eine Bindung zwischen den Stücken zu schaffen eher störend wirken. Zudem kann auch das Songwriting über weite Teile nicht das halten, was man sich von Jon Schaffer verspricht. Durch die ganzen Zwischenspiele und Minisongs, die zum Teil zweifellos sehr interessante Ideen beherbergen, dann aber nicht ausreichend aufbereitet werden, dauert es über zehn Minuten, bis man mit Setian Massacre nocheinmal kurz an alte Taten anknüpft. Freut man sich hier noch über die, zumindest verhalten, auftretende Aggressivität des Songs, die früheres Iced Earth Material fast allgegenwärtig veredelte, wird beim folgenden A Charge To Keep gleich mal wieder die Handbremse gezogen. So schaukelt, oder schunkelt, man sich irgendwie bis zu einem der wenigen Highlights der Platte durch. Ten Thousand Strong mag ein etwas merkwürdiges Video spendiert bekommen haben, der Song strotzt aber nur so vor Energie und man fragt sich, was das ganze langweilige Geplänkel in den vorhergehenden 20 Minuten soll, wenn Schaffer es offensichtlich doch noch raus hat solche Knaller zu produzieren.
Der pessimistische Leser wird es hier bereits ahnen, Ten Thousand Strong bedeutete leider keinen allgemeinen Aufschwung sondern bietet nur ein kurzes Zwischenhoch. Ein Großteil des folgenden Materials schwankt, wie schon zu Beginn, zwischen effektreichen Zwischenspielen und Songs, die auf den meisten vorhergehenden Alben, wenn sie dort überhaupt vorhanden gewesen wären, am unteren Ende der Skala Platz genommen hätten. Einziger Lichtblick ist mit The Clouding noch der längste Song der Platte, der zwar auch sehr gemächlich startet, sich dann jedoch urplötzlich zu einem kraftvollen Midtempo-Stampfer wandelt und durch den wirklich tollen Gesang des Rippers, der sicher nicht zu den Lieblingssängern des Schreibers zählt, veredelt wird. Hier lässt sich erahnen, was Jon Schaffer vermutlich auf dem Rest der Platte vor hatte, mit unnötigem Bombast aber gnadenlos ersäuft.
Das übrige Material ist, trotz einiger guter Ideen, leider größtenteils langweilig geraten und selbst wenn Stücke mal vielversprechend loslegen, als Beispiel sei Infiltrate Assimilate genannt, versandet es ebenso schnell wieder. Es sei noch erwähnt, dass Schaffer mit dem akustischen Something Wicked (Part 2) immerhin noch ein gutes Zwischenspiel zustande bringt.
Zwar bietet die Platte mehr Abwechslung als ihr Nachfolger, kann jedoch auch nicht mehr über den, mittlerweile erschreckende Ausmaße annehmenden, Substanzverlust hinwegtäuschen. Nur zwei, bzw. drei, wirklich gute Stücke sind über eine Laufzeit von knappen 70 Minuten, bzw. 19 Songs, einfach zu wenig. Die Platte bietet aber immerhin noch genug, um Neulinge eventuell noch auf die große Vergangenheit der Band aufmerksam zu machen, es bleibt zumindest zu hoffen.


Anspieltipps: TenThousand Strong, The Clouding

Wertung:
6/10

 

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Weitere Informationen:

VÖ: 2007
Spielzeit: 68:56
Genre: Power Metal
Label: SPV / Steamhammer
Homepage: http://www.icedearth.com

Besetzung:
Tim "Ripper" Owens - Gesang
Jon Schaffer - Gitarre, Bass, Gesang
Brent Smedley - Schlagzeug, Gesang

Titelliste:
01. Overture (2:24)
02. Something Wicked (Part 1) (5:03)
03. Invasion (1:00)
04. Motivation Of Man (1:34)
05. Setian Massacre (3:49)
06. A Charge To Keep (4:24)
07. Reflections (1:50)
08. Ten Thousand Strong (3:54)
09. Execution (1:27)
10. Order Of The Rose (4:52)
11. Cataclysm (1:30)
12. The Clouding (9:19)
13. Infiltrate Assimilate (3:48)
14. Retribution Through The Ages (4:32)
15. Something Wicked (Part 2) (2:59)
16. The Domino Decree (6:36)
17. Framing Armageddon (3:41)
18. When Stars Collide (Born Is He) (4:18)
19. The Awakening (2:01)


Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 13. Februar 2010 um 11:01 Uhr