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Guilt Machine - On This Perfect Day PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Philipp Klein   
Samstag, den 30. Januar 2010 um 11:24 Uhr

Luftveränderung bei Arjen Lucassen. Der niederländische Prog-Rock-Meister betreibt mit seinem neuen Projekt öffentliche Depressionsbewältigung.

Guilt Machine - On This Perfect Day

Wie man den Linernotes des neuen Lucassen-Albums entnehmen kann, hat der Komponist ein nicht ganz so einfaches Jahr hinter sich. Die Pleite der Plattenfirma InsideOut, eine Scheidung und dazu noch gesundheitliche Probleme. Man möchte wirklich niemandem Schicksalsschläge wünschen, aber Arjen Lucassen versteht es, mit tatkräftiger Unterstützung seiner neuen Lebensgefährtin Lori Linstruth, deren Soli auch schon auf dem letzten Ayreon-Meisterwerk "01011001" zu hören waren und die bei Guilt Machine neben der Gitarrenarbeit auch dafür zuständig war, die in der Musik vorherrschende Melancholie in Worte zu fassen, aus seinen Gemütszuständen ein hervorragendes Stück Musik zu basteln.

Neben Linstruth griff Lucassen diesmal, im Gegensatz zu den ausufernden Besetzungen der letzten Werke seines Hauptprojekts, nur auf den ehemaligen Porcupine Tree Schlagzeuger Chris Maitland und den eher unbekannten Sänger der belgischen Independent-Band Arid, Jasper Steverlink, zurück. Vor allem zu der Wahl des Sängers kann man Herrn Lucassen mal wieder nur beglückwünschen. Auch wenn der Meister diesbezüglich ohnehin ein äußerst glückliches Händchen hat. Steverlink versteht es die gegebene Musik und die Texte perfekt zu interpretieren und liefert eine beachtliche Leistung ab, zumal er bisher wohl noch sogut wie keine Erfahrung mit härteren Tönen hatte.

Alles in allem fällt es schwer, das Endprodukt richtig zu kategorisieren. Zwar atmet die Musik zu jeder Zeit den Geist ihres Schöpfers, doch schafft sie es trotzdem ohne Probleme sich vom gigantischen Ayreon-Schatten zu lösen. Zwar ist das gebotene stellenweise immernoch recht oppulent, vor allem die Keyboards lassen keinen Zweifel aufkommen, wer für das Songwriting verantwortlich ist, doch werden auch immer wieder Erinnerungen an alternative Musik geweckt. Das gesamte Material kann man als äusserst ruhig bezeichnen, obwohl der verträumte Klangteppich immer wieder von härteren Riffs oder bombastischen Passagen unterbrochen wird, weshalb, zumindest Freunden etwas ruhigerer Töne, niemals langweilig werden dürfte. Schön ist auch der Einfall, die Fans zu bitten, mit gesprochenen Nachrichten in ihrer Muttersprache zum Werk beizutragen. So finden sich als Einleitung oder Abschluss eines Stückes immer wieder gesprochene Beiträge in Russisch, Spanisch, Deutsch usw.
Auch wenn die Grundprämisse des Albums melancholisch ist, muss man doch sagen, dass einige Passagen es durchaus schaffen, dem Hörer durch ihren Klang ein "gutes" Gefühl zu verschaffen, hier sind vor allem die beiden Stücke Green And Cream und Over zu nennen. Dazu trägt auch die sanfte Stimme Jasper Steverlinks bei, die, trotz allen wiedergegebenen Widrigkeiten des Lebens, öfter mal den Eindruck von Zuversicht vermittelt. Lauscht man jedoch den intonierten Texten, landet man ganz schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen.

Die knapp einstündige Laufzeit des Albums verteilt sich auf gerade einmal sechs Lieder, von denen vier über zehn Minuten hinausgehen, ganz klar kein Werk für Zwischendurch. Insgesamt ist auch dies wieder ein Album, bei dem sich ein durchgehender Genuss am Ende auszahlt, auch wenn im Gegensatz zu Ayreon diesmal keine durchgehende Geschichte erzählt wird. Die einzelnen Stücke lassen sich so auch gar nicht groß aus dem Gesamtwerk herauslösen sondern tragen alle zu einem gekonnten Ganzen bei. So eignet sich auch jeder Song als Beispiel für den Rest, denn große Brüche gibt es kaum zu vermelden.
Am herausstechendsten ist vermutlich das Stück Over, das mit guten sechs Minuten nicht nur die kürzeste Spielzeit auf die Waage bringt sondern auch am eingängigsten ist.

Was bleibt ist ein hervoragendes Stück Musik, das, wie von Arjen Lucassen gewohnt, in seiner Umsetzung nahezu makellos daherkommt und mit seiner (relativen) Erdigkeit eine willkomme Abwechslung zur üblichen abgehobenen Lucassen-Opulenz bietet. Unterstützt wird das Gehörte durch ein äusserst Stimmungsvolles Artwork, das mit seiner Farbgebung die Stimmung der Platte perfekt in Szene zu setzen weiß. Für mich eines der Highlights des letzten Jahres!

 

Anspieltipps: Als "Angelhaken" am besten Over, Green And Cream oder Leland Street, aber hier sind sich alle Stücke quasi ebenbürtig.

Wertung:
9/10


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Weitere Informationen:

VÖ: 2009
Spielzeit: 57:37
Genre: Progressive Rock
Label: Mascot Records
Homepage: http://www.arjenlucassen.com/aal/aa_albums_gm.html

Besetzung:
Jasper Steverlinck - Gesang
Arjen Anthony Lucassen - Gitarre, Bass, Keyboard, Mandoline
Lori Linstruth - Gitarre
Chris Maitland - Schlagzeug

Titelliste:
01. Twisted Coil (11:43)
02. Leland Street (8:03)
03. Green and Cream (10:32)
04. Season of Denial (10:22)
05. Over (6:11)
06. Perfection? (10:46)

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 30. Januar 2010 um 12:29 Uhr
 

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