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Skyclad - In The... All Together PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Philipp Klein   
Freitag, den 27. November 2009 um 17:15 Uhr

Nach fünf Jahren präsentierten die englischen Folk-Metal-Pioniere diesen Sommer endlich ihr zweites reguläres Album ohne ihren ehemaligen Überfrontmann Martin Walkyier.

Es stellt sich die Frage, ob es bei einem Album, dass acht Jahre nach dem Ausstieg eines Bandmitgliedes veröffentlicht wird, immer noch gesteigerter Bezug auf diesen Umstand genommen werden darf. Bei Skyclad beantworte ich dieses heikle Thema mit einem klaren ja. Denn auch wenn Skyclad die Möglichkeit genutzt haben, den vakanten Posten aus den eigenen Reihen heraus zu besetzen und etwaigen kritischen Fans somit von vornherein ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen, muss man doch ganz klar feststellen, dass der Schatten Martin Walkyiers für jeden, der die Band vor dieser gewaltigen Zäsur kannte, stets auch über allen neuen Werken hängen wird. Umso erfreulich ist es da, dass die Gruppe um die beiden verbleibenden Gründungsmitglieder Steve Ramsey (Gitarre) und Graeme English (Bass) spätestens diesmal zeigen kann, dass auch heute noch einiges Leben in ihr steckt und guter Folk Metal eben auch ohne Herrn W. machbar ist. Während sich der Altfan auf dem 2004er Album "A Semblance Of Normality" nicht nur an Sänger Kevin Ridley (der bereits seit 1999 als zweiter Gitarrist zum aktiven Teil der Band gehört und seit dem Debut "The Wayward Sons Of Mother Earth" die Produktion in den Händen hat) als Hauptsänger gewöhnen musste, sondern auch an eine recht deutliche musikalische Kurskorrektur, hin zu einem schwereren etwas nachdenklicheren Sound, kann man attestieren, dass auf "In The All... Together" eine kleine Rückbesinnung eingesetzt hat, ohne einige interessante Errungenschaften des Vorgängers über Bord zu werfen. Ich möchte sogar soweit gehen, dass Skyclad, aus kompositorischer Sicht, das interessanteste Album seit ihrem Klassiker "Irrational Anthems" hingelegt haben, dessen Erscheinen nun auch schon stattliche 13 Jahre zurückliegt.

Auch wenn Kevins Stimme für mich immer etwas nach "englischem Pub" klingt, und er die thrashtypischen Merkmale seines Vorgängers vermissen lässt, muss man sagen, dass er es erfolgreich schafft dem Ganzen seinen eigenen Stempel aufzudrücken, ohne die Vergangenheit zu ignorieren. Vor allem die, nun wieder deutlicher zu Tage tretenden, heftigeren Ausbrüche lassen das charmante Walkyiersche Lispeln kaum vermissen und bei den ruhigeren Stücken versprüht Mr. Ridley, wie schon auf dem letzten Album, ohnehin einen ganz eigenen Charme. Skyclad haben es sehr gut gemeistert aus einer schwierigen Situation ohne Schwächung hervorzugehen, das hat nicht jede Metallegende in den letzten Jahren vollbracht. Doch nun genug von diesem Kapitel der Vergangenheit, auf zur Musik der Gegenwart.

Gegenwartsbezogen ist auch das Intro der Platte, denn zunächst einmal begrüßen den Hörer fast schon nervige Telefontastentöne, ehe Words Upon The Street loslegt und gleich klar macht, dass die Band die Heaviness von "A Semblance Of Normality" mit auf das neue Album gebracht hat. Zudem wird einem bei den weiteren Songs recht schnell klar, dass diesmal auch wieder dann und wann das Gaspedal durchgetreten wird. Schon der zweite Song Still Small Beer, eine Art heftigere Version von Anotherdrinkingsong des Vorgängers, sollte die Augen eines jeden Fans der Claddies leuchten lassen. Hier geht es mit hartem Riffing mächtig nach vorne, während Georginas Fidel zum Tanz bittet, ein erster Knaller des Albums. Insgesamt ist die Mischung aus mittelschnellen, aber ungeheuer schweren Passagen, ab und zu etwas traurigen balladesken Momenten und hervorbrechenden Geschwindkeitsparts besser gelungen als zuletzt, was dazu führt, dass das Album stets frisch und überraschend und niemals langweilig wirkt, sondern hinter jeder Ecke eine neue Überraschung lauert. Als besonders herausragend offenbart sich The Well-Travelled Man. Zu Beginn gibt sich die Nummer mit ihrem langsamen, getragenen Anfang, der schließlich zu einer ziemlich geladenen Explosion führt, ohne jedoch in allzu schnelle Gefilde zu geraten, noch recht sperrig, mit jedem weiteren Durchlauf setzt sich das Stück jedoch mehr fest und mausert sich zu einem der stärksten Lieder der jüngeren Bandgeschichte. Bei einer Platte auf einem dermaßen hohen Niveau stellt es sich als kompliziert heraus, weitere Perlen herauszupicken, ohne einfach eine komplette Auflistung zu verfassen. Es sei noch erwähnt, dass ein Stück wie Babakoto musikalisch auch fast auf der bereits erwähnten "Irrational Athems" hätte Platz nehmen können. Wer einen verträumten Refrain sucht, wird bei Hit List fündig, das auch einige interessante Breaks aufzubieten weiß. Eine metallische Pub-Hymne gibt es mit Which Is Why zu hören. Falsch macht man bei dieser Scheibe jedoch tatsächlich mit keinem Song etwas, sofern man kein Problem mit der bei Skyclad allgegenwärtigen Fidel hat. Am schwächsten ist eventuell das vorletzte Stück Modern Minds, da es im Gegensatz zu seinen Geschwistern etwas monoton daher kommt, von allen Songs hätte dieser am ehesten auch auf dem Vorgänger zu finden sein können, aber auch hier gibt es immernoch gute Unterhaltung.
Nach, viel zu kurzen, knappen 40 Minuten und zehn wunderbaren Songs geht dann mit dem Titelsong eines der für mich überraschendsten Alben des Jahres zu Ende. Man muss den Engländern bescheinigen, dass sie wieder oben auf sind und Lust auf mehr machen. Die Tour ist zwar gerade bereits durch unser Land gezogen, trotzdem empfehle ich jedem Folk-Metal-Interessierten dringend, die Augen nach einem Skyclad-Gig offen zu halten. Diese Band ist immernoch hungrig und weiss dies perfekt in gute Musik umzumünzen. Skyclad sind stets absolut empfehlenswert!

Anspieltipps: The Well-Travelled Man, Still Small Beer, Hit List

Wertung:
9/10


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Weitere Informationen:

VÖ: 2009
Spielzeit: 39:32
Genre: Folk Metal
Label: Scarlet Records
Homepage: http://skycladmusic.co.uk

Besetzung:
Kevin Ridley - Gesang, Gitarre
Steve Ramsey - Gitarre, Gesang
Graeme English - Bass, Gesang
Georgina Biddle - Fiddle, Keyboard, Gesang
Arron Walton - Schlagzeug, Gesang

Titelliste:
01. Words Upon The Street (4:39)
02. Still Small Beer (3:13)
03. The Well-Travelled Man (4:40)
04. Black Summer Rain (3:54)
05. Babakoto (3:45)
06. Hit List (4:39)
07. Superculture (3:29)
08. Which Is Why (4:01)
09. Modern Minds (3:33)
10. In The... All Together (3:44)

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 27. November 2009 um 16:26 Uhr