Nächste Konzerte & Sonstiges

Nächste Parties

 
Slough Feg - Ape Uprising! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Philipp Klein   
Sonntag, den 08. November 2009 um 02:10 Uhr

Kauzige Amis rufen zum Affenaufstand!

Während vielen metalaffinen Zeitgenossen beim Begriff "klassischer Heavy Metal" vor allem stilprägende Großtaten von einigen über 30 Jahre alten Genrelegenden einfallen, floriert diese Spielart vor allem im Untergrund der Vereinigten Staaten fleissig vor sich hin.
Eine der etwas größeren Bands, die es auch in der Alten Welt zu einem gewissen Ansehen gebracht hat, ist die in San Francisco angesiedelt Band Slough Feg um Gitarrist und Sänger Mike Scalzi. Einigen könnte die Band noch mit dem Namenspräfix The Lord Weird bekannt sein, dessen sich die Herren jedoch nach ihrem vierten Studioalbum kurzerhand entledigten. Nicht über Bord geworfen wurde jedoch die gewissen "Kauzigkeit", die der Band seit jeder anhaftet, sei es Spielart, Gesang oder die Covergestaltung. Das Artwork zu "Ape Uprising!" ist daher wieder gewohnt unbeschwert und fängt das Hauptthema ziemlich genau ein, das Bandfoto im Inneren erweckt jedoch den Eindruck, als hätte es 20 Jahre unter irgendeinem Schrank gelegen. Das ist Imagepflege par excellence!

Das nun vorliegende siebte Studioalbum ist der perfekte Beweis, dass die klassische Ausprägung des Metals weder tot ist, noch so altbacken klingen muss, dass man zum Genuß der Töne selbst alt genug sein muss, um die Bandgründung von Judas Priest selbst erlebt zu haben. Im Grunde haben sich Slough Feg auf das nötigste reduziert, keine Power Metal-Ausflüge wie auf dem 2003er Konzeptalbum "Traveller" mehr, ebensowenig sind die folkigen Einflüssen der ersten Alben markant zu hören und auch die Bedienung im Iron Maiden-Repertoir und die 70er-Anleihen sind nicht mehr ganz so auffällig geraten wie zuletzt beim direkten Vorgänger "Hardworlder". Im Gegenzug wurde der Härteregler wieder etwas nach oben gedreht, womit das Album gleich wieder eine ganze Menge mehr Drive entwickelt.
Zunächst beweisen die Jungs jedoch ersteinmal Eier, indem sie den langsamsten und wohl sperrigsten Song des ganzen Albums gleich mal als Opener fungieren lassen. Bei The Hunchback Of Notre Doom ist das Wortspiel Programm, der Song würde sich im Oeuvre so mancher Doom Metal-Formation gut machen, wird man doch als erstes von einem mehr als tonnenschweren Gitarren-Riff begrüßt, bevor der Rest der Band, sprichwörtlich langsam, dazu kommt. Ebenso zäh ist dann auch Mike Scalzis Gesang, man könnte tatsächlich das Gefühl haben, dass einem Quasimodo im Mondschein vom Glockenturm eine düstere Prophezeiung zuruft. Überhaupt dürfte Mike Scalzis Stimme seit jeher für viele der bestimmende Faktor bei der Band sein. Sein recht kehliges und vor allem eigenwilliges Organ hat mit dem oft recht hohen Gesang anderer Genrevertreter nichts zu tun. Jedem der zwar mit dieser Art von Musik warm wird, jedoch immer vor ohrenfeindlichen Höhenflügen der Frontmänner kapituliert hat, sollte also auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren.
Die Einführung durch den Buckligen bleibt dann jedoch der einzige Ausflug in die Gefilde des Untergangs, denn im folgenden Ziehen Slough Feg das Tempo wieder merklich an und zeigen sich wieder typisch gitarrendominiert, ohne die Rhytmusfraktion zu vernachlässigen. Der prächtige Sound macht die Platte zu einem wahren Fest für die Ohren. Während andere Metalstile oft damit zu kämpfen haben, dass ihr Bass in tiefergestimmten Gitarren ersäuft ist hier alles perfekt abgemischt und klingt zugleich wunderbar erdig und unsteril.
Man muss allerdings ganz klar attestieren, dass auch die nachfolgenden Songs nicht unbedingt zu den eingängisten Stücken gehören, eine gewisse Sperrigkeit bleibt die ganze Zeit über erhalten, was hier jedoch als eher positiv zu verzeichnen ist. Die Stücke fallen nie so aus, dass man sie sich vor dem Einsetzen des Genusses erarbeiten müsste, geben ihre volle Pracht aber erst nach einigen Hördurchgängen preis, was die Halbwertzeit des Gebotenen positiv beeinflusst. Insgesamt sprühen die Songs allesamt von einer rohen, unbändigen Kraft, ganz besonders viel Pfeffer hat Shakedown At The Six abbekommen, jedoch ohne auf die bei der Band übliche Fülle an perfekten Melodien und Gitarrenspielereien zu verzichten, hier passt einfach alles perfekt zueinander. Ein gutes Beispiel ist der Titeltrack, der trotz seiner, für die Amerikaner unüblichen, Länge von guten zehn Minuten vor Ideen geradezu überkocht und somit zu keiner Sekunde auch nur in Gefahr gerät zu langweilgen. Weitere Glanzstücke, auf diesem ohnehin schon strahlenden Album, sind die kurzen 70er-Zitate im Song Simian Manifesto, die einen bei jedem Hören dermaßen in Hochgefühle versetzen, dass man vor Freude Jauchzen möchte, und die Gesangslinien des gerade einmal gut drei Minuten dauernden White Cousin, die man so schnell nicht wieder aus dem Ohr bekommt.
Das gewöhnungsbedürftigste Stück dürfte der Schlusssong Nasty Hero sein, der genau wie der Opener etwas aus dem Gesamtbild ausbricht. Hier finden sich ziemlich deutliche Hard Rock-Anleihen, die der zuvor aufgebauten Stimmung leider nicht mehr so ganz zutragen und das Album damit, obwohl auch hier hohes Niveau geboten wird, ein wenig zerfahren Enden lassen.

Kommen wir zu den Texten. Das Album kann prinzipiell als Konzeptalbum gesehen werden, denn immer wieder tauchen Songtitel oder Textpassagen auf, die den kundigen Filmkonsumenten dann und wann an die berühmte "Planet der Affen"-Reihe denken lassen ("Prodigal Caesar rising/ Rolling in leaves of rage/ Swinging on vines you'll find him/ Locked in his human cage" aus Ape Uprising, oder "We wanted to stay,/ you canceled the sun/ We hide underground/ and worship a gun", aus Simian Manifesto), ohne jedoch direkten Bezug herzustellen oder einen eindeutigen Handlungsfaden zu verfolgen. Vielmehr drehen sich die Texte einfach immer irgendwie um's Animalische, sei es nun im Mensch oder Affen.

Die einzige schwerwiegendere Crux des Albums dürfte letztendlich in seiner Spieldauer liegen. Die Slough Feg-Alben scheinen mit jedem neuen Beitrag kürzer zu werden, so dauert das ganze Affentheater diesmal keine 38 Minuten, die dafür allerdings durchgehend besonders süß ausgefallen sind.
Am Ende übrig bleibt jedoch einer der heißesten Anwärter auf das Album des Jahres, den man auf jeden Fall allen Freunden der Frühphase des Metals und auch jedem aufgeschlossenen Metalhörer ans Herz legen kann. Frisch und trotzdem klassisch.

Anspieltipps: Simian Manifesto, White Cousin, Ape Uprising!, Shakedown At The Six. (Eigentlich sollte man nur nicht vom Opener oder Finale auf den Rest des Werkes schließen.)

Wertung:
9 / 10

 

Hast Du Kommentare zur Platte oder zum Review? Melde Dich an und diskutiere mit uns in unserem Forum!


Weitere Informationen:

VÖ: 2009
Spielzeit: 37:33
Genre: Heavy Metal
Label: Cruz Del Sur Music
Homepage: http://www.sloughfeg.com

Besetzung:
Mike Scalzi - Gitarre / Gesang
Angelo Tringali - Gitarre
Adrian Maestas - Bass
Harry Cantwell - Schlagzeug

Titelliste:
01. The Hunchback Of Notre Doom (4:47)
02. Overborne (2:53)
03. Ape Uprising! (10:02)
04. Simian Manifesto (4:09)
05. Shakedown At The Six (3:51)
06. White Cousin (3:09)
07. Ape Outro (3:17)
08. Nasty Hero (5:25)


Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 15. Juli 2011 um 10:29 Uhr