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Dream Theater - Black Clouds & Silver Linings PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Bartosz Dowhan   
Freitag, den 10. Juli 2009 um 23:22 Uhr

Und schon wieder sind zwei Jahre ins Land gezogen, seitdem Dream Theater ihr letztes Album "Systematic Chaos" veröffentlicht haben - und fast wie bestellt flattert diesen Sommer das neue Werk in den Handel.

 "Black Clouds & Silver Linings" nennt sich dieses Meisterwerk und bietet so ziemlich alles, womit uns diese Band auch in den letzten Jahren schon beglückt hat. Gleichzeitig ist dies bei vielen Fans aber auch schon der meistgenannte Kritikpunkt - es gibt angeblich nichts zu hören, was man nicht schon auf irgendeinem anderen Dream Theater-Album gehört hat. Doch auch dies wirkt nur beim ersten Hinhören so. Zumindest zwei Punkte fallen einem deutlich ins Auge:

1. Die Anzahl der Song im Vergleich zur Länge des Albums ist auch für DT-Verhältnisse eine wenig ungewöhnlich. Sechs Stücke bei einer Laufzeit von über 75 Minuten hat es zuletzt auf der "Six Degrees Of Inner Turbulence" (2002) gegeben.

2. Der Härtegrad ist diesmal deutlich in die Höhe geschraubt worden. Derart harte Riffs hat man zuletzt auf der "Train Of Thought" gehört. Doch im Gegensatz zum 2003er Album herrscht hier eine ausgewogenere Mischung aus harten und soften Passagen vor.

Der Opener A Nightmare To Remember zeigt dies schon in epischer Breite. Innerhalb dieser Viertelstunde, die der Song dauert, erlebt man so ziemlich alles, wofür Dream Theater stehen können. Die ersten Minuten sind die wohl düstersten, die jemals auf einem Album dieser Band zu hören gewesen sind - und auch die härtesten. Der Mittelteil des Songs besticht hingegen durch einen unglaublich eingängigen und melodischen Refrain und extrem ruhig vorgetragenen Strophen. James LaBries Gesang bewegt sich hier, wie auch auf dem Rest des Albums, in den eher tieferen Gefilden, was zum einen der Stimmung der Songs zugute kommt, und zum anderen verhindert, dass sein Gesang in Gejaule ausartet (eine Unart, die er sich glücklicherweise immer mehr abgewöhnt). So gut gesungen hat James LaBrie seit der "Scenes From A Memory" (1999) nicht mehr. Natürlich gibt's auch wieder krumme Takte ohne Ende, bei denen man sich immer wieder fragt, wie die Band es schafft, das ganze zusammenzuhalten ohne völlig aus dem Konzept zu kommen. Am Ende wird der Song wieder deutlich härter und Schlagzeuger Mike Portnoy bringt auch hier wieder seine deutlich besser gewordenen Gesangskünste mit ein, um den Song hinterher mit einem Blastbeat (darauf warte ich bei ihm schon seit Jahren) dem Ende zuzuführen.
Inhaltlich geht es um einen Autounfall aus Opfersicht - und da es ein Text von John Petrucci ist überleben am Ende alle natürlich. Metaltexte, die böse enden kann ja schließlich jeder schreiben...
Allein schon dieser Song lohnt den Kauf des ganzen Albums, denn Dream Theater zeigen hier eindrucksvoll, dass sie mühelos in der Lage sind mit einem Song nicht verschiedene Geschmäcker zu befriedigen, sondern auch derart kompromisslos eine Scneise der Zerstörung in die Landschaft zu schlagen, die ihnen wohl kaum jemand zugetraut hätte.

Bei A Rite Of Passage weiß ich nicht so wirklich, was ich davon halten soll. Der Songs ist sicher nicht schlecht und lässt sich auch gut anhören, lässt einen aber trotzdem irgendwie kalt. Bis auf den Refrain gibt es nämlich keine markante Stelle, die sich einprägen würde. Der relativ komplex klingende Mittelteil ist mehr oder weniger unnützes Rumgefrickel, um die eigenen Fähigkeiten zu demonstrieren und den Song künstlich in die Länge zu ziehen. Der Song dürfte die wohl schwächste Nummer des Albums sein, zumal er darüber hinaus noch klingt als wäre er bei In The Name Of God von der "Train Of Thought" geklaut... Der Text ist übrigens auch eher Mist...

Wither kennt man auch schon bereits - zumindest erinnert er mich vom Gefühl her an The answer lies within von der "Octavarium" (2005). Doch Wither ist deutlich pompöser orchestriert und eingängiger (und auch ein bißchen härter). Ein ziemlich gelungener Ruhepunkt vor den nächsten drei Brechern, die dieses Album zu einem Meisterwerk machen.

The Shattered Fortress beschließt Mike Portnoys musikalischen Alkoholentzug. Erwartungsgemäß hört man hier nicht viel Neues, sondern bekommt eine extrem geile Zusammenfassung von The Glass Prison, This Dying Soul, The Root Of All Evil und Repentance. Das klingt zwar nicht besonders neu und ist von der Idee her auch nicht unbedingt originell, doch am Ende zählt wie immer das Produkt, das dabei rauskommt - und das kann sich hier ohne wenn und aber hören lassen. Der Song ballert von vorne bis hinten kompromisslos durch, denn wenn man schon nix wirklich Neues zu bieten hat, dann macht man es eben ein bißchen härter als erwartet.

Das nächste Stück, The Best Of Times, hat eigentlich einen traurigen Anlass, ist es doch Mike Portnoys kürzlich verstorbenem Vater gewidmet. Das dreiminütige Piano-Intro lässt auch eine Ballade vermuten, doch setzt urplötzlich John Petrucci mit einem Solo ein, welches so gar nicht nach Depressionen und Verzweiflung klingt. Stattdessen gibt es auch hier wieder Ohrwurmmelodien und schnelle Rhythmen zu hören. Auch der Text gibt einen Anlass Trübsal zu blasen, schließlich erinnert sich Portnoy hierin an die Zeit, die er mit seinem Vater verbracht hat. Die Welt negativ zu sehen war im Ürbigen eh nie das Ding von Dream Theater - das gilt auch für Todesthematiken. Einen Wehrmutstropfen gibt es dennoch zu vermelden, denn die letzten drei Minuten des Songs sind die wohl überflüssigsten, die auf diese CD gepresst worden sind. Man muss Songs nicht immer künstlich in die Länge ziehen.

The Count Of Tuscany hat einen doofen Text. Als ich den Titel gelesen hab', habe ich unweigerlich an eine Fortsetzung von Forsaken denken müssen, der totlangweiligen Vampirgeschichte auf der "Systematic Chaos" (2007). Doch die hier aufgenommenen 19 Minuten sind alles andere als öde und langweilig. Inhaltlich geht es um irgendeinen Kerl, der von irgendeinem mysteriösen Grafen mitgenommen wird und hinterher Angst hat in seinem Schloss umgebracht zu werden. Da der Text aber von John Petrucci verfasst worden ist kann man sich ja denken wie's ausgeht - der Graf entschuldigt sich für sein Verhalten und schickt den Entführten wieder nach Hause. Davon mag man jetzt natürlich halten was man will...
Musikalisch gibt's mal wieder so ziemlich alles zu hören. Ein überlanges Intro mit so ziemlich allen Gefühlslagen, die man mit Musik transportieren kann, eine schnelle aber krumme Strophe (4/4 + 5/4 + noch irgendwas, was ich noch nicht herausbekommen habe...) und einen mörderisch guten Refrain, der sich sofort im Ohr festsetzt. In der Mitte gibt's Keyboardgewabber, das eindeutig von King Crimson instpiriert ist, um im Anschluss den Song extrem episch enden zu lassen.

Wie oben bereits erwähnt hagelt es von einigen Seiten her auch negative Kritik. Dream Theater haben sich hierauf sicherlich nicht neu erfunden, auch wenn einige Elemente wie der Blast Beat (ja, man kann sich auch über Kleinigkeiten freuen) neu dazugekommen sind. Für Dream Theater-Einsteiger ist dieses Album sicherlich perfekt geeignet. Auch wenn es nach wie vor recht komplexe Musik ist, ist der Grad der Eingägigkeit doch erheblich hoch. Nur Dream Theaters beinhartes Metalbrett "Train Of Thought" dürfte noch schneller ins Ohr gehen.
Im Endeffekt zählt natürlich immer noch, ob das Album auch nach dem zigsten Durchlauf Spaß macht - und das tut es eindeutig. Da kann man auch den Mangel Innovationen und überflüssigen Soloeinlagen verschmerzen.

Das Ganze gibt es übrigens nicht nur als normale CD-Version, sondern auch als 3-CD-Packet mit ein paar Coversongs von Queen, Rainbow und Iron Maiden (wobei ich da ja etwas kritischer bin, was gecoverte Songs bei Dream Theater angeht...) und dem eigentlichen Album als Instrumentalversion.
Wem das nicht reicht, der kann sich ja mal auf die Suche nach der ultimate-irgendwas-prollo-Version begeben, die wirklich so ziemlich alles beinhaltet, was man möglicherweise gar nicht braucht. Aber das ist nur meine Meinung...

Anspieltipps (die Songs muss man ganz hören ;) ): A Nightmare To Remember, The Shattered Fortress, The Count Of Tuscany

Wertung:
9/10

Weitere Informationen:

VÖ: 19.06.2009
Spielzeit: 75:22
Genre: Progressive Metal
Label: Roadrunner Records
Homepage: www.dreamtheater.net

Besetzung:

James LaBrie - Gesang
John Petrucci - Gitarre
John Myung - Bass
Mike Portnoy - Schlagzeug, Gesang
Jordan Rudess - Keyboard

Titelliste:
01. A Nightmare To Remember (16:10)
02. A Rite Of Passage (8:35)
03. Wither (5:25)
04. The Shattered Fortress (12:49)
05. The Best Of Times (13:07)
06. The Count Of Tuscany (19:16)

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. September 2009 um 15:42 Uhr