Vier lange Jahre mussten die Thrasher dieser Welt auf neues Material vom deutschen Metal-Urgestein Kreator warten. Das Warten hat sich gelohnt.
Nachdem Kreator auf "Violent Revolution" nach der eher sanften "Endorama" so langsam wieder in eine härtere Richtung gingen und vier Jahre später mit der "Enemy Of God" ein ordentliches Brett abgeliefert hatten, legen sie nun, weitere vier Jahre danach, mit ihrem aktuellen Werk "Hordes Of Chaos" eines ihrer härtesten Werke überhaupt nach. Mit einer einzigen Ausnahme gibts hier von vorne bis hinten voll auf die Zwölf.
Los geht es auf diesem Prachtstück mit dem Titelsong Hordes Of Chaos, das den Zusatztitel A Necrologue For The Elite trägt. Eher ruhig von einer Gitarre eingeleitet, gesellt sich schon bald die zweite und anschließend das Schlagzeug dazu. Und schon nach weniger als einer Minute wird die Marschroute "bedingungsloser Thrash" eingeschlagen und erst kurz vor Ende temporär wieder verlassen. Im Refrain wird es dann leicht melodisch, was sich für das Mitgröhlen auf Konzerten gut eignet, aber schon bald wieder vorbei ist.
Danach wird nochmal ein Gang hoch geschaltet. Warcurse ist nicht nur schneller und erbarmungsloser als Hordes Of Chaos, auch hört man Mille ins Mikro brüllen wie selten zuvor. Man muss glatt befürchten, dass er sich dabei live irgendwann mal die Lunge mit rausbrüllt. Das gilt im Übrigen für das gesamte Album, selten hat man Mille derart aggressiv gehört, auch auf "Enemy Of God" nicht, was die Messlatte schon sehr hoch legte. Warcurse eignet sich im Übrigen ebenfalls hervorragend zum Mitgröhlen/-schreien. Perfekter Aggressionsabbau.
Über das in die gleiche Kerbe schlagende Escalation geht es zu einem Lied, das vom Titel her in der heutigen Zeit als fragwürdig bezeichnet werden kann, geht es in Amok Run doch in der Ich-Perspektive um einen Ausgestoßenen, der Rache an seinen Peinigern übt, untermalt mit Zeilen wie "This is my Amok Run, Bloodbath Total Massacre". So oder so ist Amok Run musikalisch über jeden Zweifel erhaben und Songtexte kann man ja auch einfach mal ignorieren. Zu Beginn des Stücks hört man nur eine Gitarre und einen Mille, der die ersten Zeilen noch dahinsäuselt, bis er ohne Vorankündigung in ein markerschütterndes Geschrei wechselt, das sich dann den Rest des Stücks fast komplett durchzieht.
Mit Destroy What Destroys You und Radical Resistance kommen nun zwei etwas kürzere Lieder die ein wenig in der Menge der Knaller untergehen, aber immer noch verdammt gute Thrash-Stücke sind, besonders der Schluss von ersterem lädt wieder einmal zum gepflegten Mitgröhlen ein. Dann geht es aber schon zum nächsten Kracher des Albums: Absolute Misanthropy. Die schon mehrfach genannte Aggressivität in Milles Stimme erklimmt hier einen neuen Gipfel. Das Schlagzeug nagelt einen gnadenlos an die Wand und die Gitarren tun ihr übriges um die Soundwand zu komplettieren, die einem da entgegen geblasen wird.
Das etwas ruhigere To The Afterborn leitet dann so langsam das Ende ein und nach dem nur 56-sekündigen instrumentalen Corpses Of Liberty könnte man nun denken, dass zum Abschluss nochmal ein Feger Marke Amok Run oder Absolute Misanthropy rausgehauen wird, aber weit gefehlt. Mit Demon Prince kommt das (neben To The Afterborn) wohl melodischste Stück des Albums als Abschluss. So geht man nach all der Aufregung und Aggression zuvor mit einem wohligen Grinsen aus einem weiteren Durchgang durch dieses Album.
Abseits der Musik selbst bleibt festzustellen, dass das Klangbild des Albums hervorragend ist - sieht man von dem einen Makel ab, das fast alle Metal-Alben haben: Der Bass ist kaum hörbar. Gitarren und Schlagzeug jedenfalls klingen sehr differenziert und weder der Gesang noch eines der Instrumente dominieren das Klangbild. Für die Aufnahmen haben sich Kreator außerdem eine neue Herausforderung gesucht. Das Album wurde quasi live im Studio gespielt und aufgenommen, sieht man von den Gitarren-Soli und dem Gesang ab, die separat aufgenommen wurden.
Wer auf Sammlerpackungen steht, sollte sich nach Möglichkeit die Limitierte Fassung kaufen. In einem Pappschuber gut aufgehoben lauert die eigentliche Packung als großes, ausklappbares Digipack, das nach dem Ausklappen ein großes T formt. Zusätzlich befindet sich noch eine Bonus-DVD mit einem durchaus sehenswerten Making Of in dieser Variante.
Nun mag man zum Abschluss noch darüber streiten, ob gut 38 Minuten nicht etwas wenig sind, hatte der direkte Vorgänger doch gute 55 Minuten Spielzeit, aber lasst euch gesagt sein: Hier passt es einfach. Lieber 10 Stücke haben, die jeweils voll überzeugen können, als unnötige Längen in die Titel einzubauen oder gar Lieder mit auf das Album zu nehmen, die es nur langweiliger machen würden. So bleibt mir als Fazit: In der Kürze liegt die Würze
Anspieltipps: Warcurse, Amok Run, Absolute Misanthropy
Wertung: 9 / 10 Punkte
Weitere Informationen:
VÖ-Jahr: 2009 Spielzeit: 38:27 min Genre: Thrash Metal Label: SPV Homepage: http://www.kreator-terrorzone.de/
Besetzung: Miland "Mille" Petrozza - Gesang, Gitarre Sami Yli-Sirniö - Gitarre Christian "Speesy" Giesler - Bass Jürgen "Ventor" Reil - Schlagzeug
Titelliste: 01. Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite) (5:04) 02. Warcurse (4:10) 03. Escalation (3:24) 04. Amok Run (4:13) 05. Destroy What Destroys You (3:13) 06. Radical Resistance (3:43) 07. Absolute Misanthropy (3:37) 08. To The Afterborn (4:53) 09. Corpses Of Liberty (0:56) 10. Demon Prince (5:17)
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