| Bolt Thrower - Those Once Loyal |
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| Geschrieben von: Philipp Klein |
| Freitag, den 19. Juni 2009 um 12:30 Uhr |
Donnergrollen in der Ferne. Die Luft ist von knisternder Spannung erfüllt. Man spürt, gleich wird ein Sturm losbrechen... Man hört noch ein kurzes Pfeifen in der Luft, bevor die Granate einen zerfetzt. Zugegeben, mit obigen Worten kann man in die Rezension eines so ziemlich jeden Bolt Thrower Albums einsteigen. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Band von ihren Pfaden bisher immer nur marginal entfernt hat, wobei die Veränderung von der frühen, noch durch Hardcore und Punk geprägten Thrashphase, über den Grindcore zum heutigen Death Metal, bei direktem Vergleich dann doch überraschend deutlich hervortreten. Bolt Thrower schaffen jedoch etwas, was vielen Kollegen, die ähnlich fest an ihren Stil "gebunden" sind, verwehrt bleibt. Jedes neue Bolt Thrower Album war bisher besser als sein Vorgänger, zumindest was die Qualität der Produktion anbelangt, und auch in Sachen Songwriting haben es die Engländer über die Jahre vermieden ernsthaft an Substanz einzubüßen, weshalb die Aussage für so manchen Fan auch ultimativ gelten dürfte.Auch auf der vorliegenden, bisher letzten, Platte hat der Sound einen neuen Höhepunkt erreicht. Gegenüber dem Vorgänger "Honour Valour Pride" sind die Instrumente eine Ecke differenzierter und der Mix klarer ausgefallen, ganz besonders sticht jedoch der Sound von Jo Benchs Bass hervor. Man hört ihn endlich. Was sich im ersten Moment ein wenig wie ein Witz anhört, ist für mich eines der Hauptleiden des Death Metals, wenn nicht des Metals generell. Viele gute Bands achten einfach nicht auf eine kompakte Mannschaftsleistung. Das ist ein Punkt, den man Bolt Thrower auf "Those Once Loyal" bestimmt nicht mehr ankreiden kann. Wie erwähnt sind die Instrumente alle gut zu vernehmen, Karl Willets hat den Posten am Mikro von seinem Vertreter David Ingram wieder übernommen und spendiert dem Album damit erneut eine der am besten zu verstehenden Stimmen der Szene. (Eine Eigenschaft, die sich im übrigen auch bei Liveauftritten niederschlägt!) Für mich persönlich stellt das Album, zumindest in Sachen Sound, DAS Death Metal Album überhaupt dar. Hinzu kommen noch die schon üblichen Qualitätsmerkmale der Band. Die schleppenden Gitarren walzen einen nieder, während man vom präzisen Schlagzeugspiel Martin Kearns wie von einem Geschosshagel an die Wand genagelt wird. Unermüdlich treibt einen der Panzer nach vorne und die begnadeten Soli von Gitarrist Barry Thomson zerschneiden einem immer noch, auf eine unwahrscheinlich gefühlvolle Art und Weise, die Gehörgänge. Diese Leadgitarre ist wohl auch der Hauptgrund, weshalb Bolt Thrower seit einigen Jahren schon solch eine Anziehung auf mich ausüben. Auf der einen Seite die oft monoton vor sich herstampfende Wand aus Rhytmusgitarre, Bass und Schlagzeug, auf der anderen Leads und Soli, die einen vor Freude in die Knie gehen lassen. Neben dem Sound haben die Bolties dem Album jedoch noch eine weitere wichtige Neuerung verpasst. Zwar bewegt man sich im Songwriting immernoch in den bekannten Spurrillen, wagt es diesmal jedoch immer mal wieder für einen kurzen Moment zu variieren, was den Songs alles in allem unheimlich gut tut und die übliche Intensität der Stücke damit noch ein um das anderemal beträchtlich zu steigern vermag. Textlich ist natürlich alles beim alten geblieben. Bolt Thrower besingen das Kriegshandwerk und vergangene Kriege, ohne dabei jemals Gefahr zu laufen irgendwie verherrlichend aufzutreten, ein bezeichnendes Beispiel aus dem Refrain von Salvo: Stranded in no mans land Water always tastes the same Trapped within this shell hole There is no shelter from the steel rain Dead men again Wie schon einige Male zuvor steigt der Opener At First Light mit einem sich langsam steigernden Intro ein. Die Soundeffekte erzeugen eine Art "statische" Spannung die sich dann in einer typischen Midtempowalze entlädt und wie üblich von Anfang an keine Kompromisse zulässt. Das hier ist, für die aktiven Musikhörer unter uns, von Beginn an Dauerbelastung für die Nackenmuskulator. Direkt macht sich der, oben bereits erwähnte, deutlich verbesserte Sound von Jo Benchs Werkzeug bemerkbar, anstatt in der Gitarrenwand unterzugehen knarzt ihr Bass die ganze Zeit deutlich vernehmbar unter dem übrigen Riffgewitter. Mit der kurzen Unterbrechung durch eine Warnsirene geht das Album mit Entrenched in die zweite Phase über, der Bass wird noch besser und bereits jetzt ist Gewissheit, so massiv waren Bolt Thrower noch nie, der Mixer hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet. Nach dem kurzen Fade-In des dritten Stücks stellt sich jedoch heraus, dass, trotz aller Klasse, bisher alles nur Vorgeplänkel war. The Killchain grooved dermaßen begnadet, dass hier nur ein Fels ruhig stehen bleiben kann, der Song ist Bewegungszwang pur und der Refrain zwingt einen geradezu zum Mitgröhlen, "Target code | Assigned | Destructively | Inclined". Danke. Besagter Stein manifestiert sich dann im folgenden Granite Wall. Die Engländer lassen wirklich zu keiner Sekunde locker und nehmen den Hörer mit auf eine wahre Tour de Force durch den Krieg, gekrönt durch ein wunderbares, wenn auch sehr kurzes, Solo von Baz Thomson. Mit dem Titeltrack ist schon fast die Hälfte des Albums erreicht. Ein charakteristisches heulen der Leadgitarre zum Einstieg, dann zieht einen Karl Willets mit in die tiefsten Ebenen seiner Stimme. Der Song ist der bisher schleppendste der Platte, ohne dabei jedoch an Intensität einzubüßen, hier wird immer noch zugelegt.
Die zweite Hälfte wird mit Anti-Tank (Dead Armour) eingeleitet und präsentiert dem Hörer zunächst einmal die neueste Errungenschaft der Band ohne Beiwerk. Jo Bench kurvt die ersten Sekunden alleine durch die Gegend, vergleichbar mit dem, zuerst nur in der Ferne wahrnehmbarenm rumpeln von Panzerketten, ehe das Monster mit dem Einstieg der Gitarrenfraktion unvermittelt vor einem aus dem Unterholz bricht. Der Song wird gekrönt durch einige wunderbare Leads und die fabelhafte Arbeit der Rhytmusabteilung. Am Ende bereitet einen das Geräusch eines abgefeuerten Geschützes dann auf die letzte Schlacht vor. Last Stand Of Humanity beginnt mit auffällig hohem Tempo während Karl Willets seinen Text ins Mikro gurgelt. In der Mitte nimmt der Song dann Geschwindigkeit raus, um sich, nach einem weiteren Thomson Lead, dann kurze Zeit später urplötzlich in einem, für Bolt Thrower Verhältnisse unglaublich schnellen, Uptempo-Part zu entladen. Nach diesem Nackenbrecher verziehen wir uns mit Salvo wieder in den Schützengraben und lauschen der draussen tobenden Schlacht, der unbarmherzige, schleppende Rhytmus des Krieges hat uns wieder. Während Martin Kearns Geschützbatterie uns weitere Granaten um die Ohren schleudert, und an beiden Seiten die Benchschen und Wardschen Panzer vorbeirollen, sterben neben uns weitere Kameraden einen sinnlosen Tod. Großes Kino! Ein wahrer Ohrenschmauß technischer Spielfreude erwartet uns schließlich mit dem großen Finale namens When Cannons Fade. Bei jedem Hören kann man sich wieder in der Perfektion der einzelnen Rhytmusinstrumente verlieren, oder andächtig den seltenen, aber umso markanteren, Leads, dem besten und längsten Solo der Platte oder Karl Willets Grabesstimme lauschen. Dem Songtitel gerecht werdend geht die Platte mit dem schleppenden, langsam leiser werdenden, Schlagzeug zu Ende. Käufer des Digipacks der Erstauflage bekommen im Anschluss noch den Bonussong A Symbol Of Eight präsentiert, der die Tradition der "nummerierten" Songs (The Vth Crusade, Sixth Chapter, 7th Offensive) der letzten Platten sehr gelungen fortführt. Für mich stellt "Those Once Loyal" damit das bisher ohne Zweifel beste Bolt Thrower Album dar. Diese Aussage ruft bei mir sogar eine gewisse Art von Wehmut hervor. Hat die Band doch früher schon angekündigt, sollte der Fall des perfekten Bolt Throwers einmal eintreten und somit keine Besserung mehr möglich sein, würde kein neues Werk mehr erscheinen. Nachdem die Fünf im vergangenen Jahr über Monate versucht haben, adäquates Material zu schreiben wurde der, für den Sommer 2008 geplante, Studioaufenthalt abgesagt und ein neues Album auf unbestimmte Zeit verschoben. Das nenne ich Prinzipientreue. Für die Note bleibt mir keine große Wahl, denn für mich ist "Those Once Loyal" ohne Frage die Königsplatte des Death Metal. Anspieltipps: Beliebig. Hier kann man nichts, aber auch gar nichts, falsch machen.
Wertung: 10 / 10 Punkte Weitere Informationen: VÖ-Jahr: 2005 Spielzeit: 43:38 Genre: Death Metal Label: Metal Blade Records Homepage: http://www.boltthrower.com Besetzung: Karl Willets- Gesang Barry Thomson- Gitarre Gavin Ward- Gitarre Jo Bench- Bass Martin Kearns- Schlagzeug Titelliste: 01. At First Light (4:38) 02. Entrenched (3:41) 03. The Killchain (4:41) 04. Granite Wall (4:03) 05. Those Once Loyal (4:14) 06. Anti-Tank (Dead Armour) (4:15) 07. Last Stand Of Humanity (3:10) 08. Salvo (5:18) 09. When Cannons Fade (5:28)
10. Symbol Of Eight (4:10) (Bonustrack der Digipack-Erstauflage) |
| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. September 2009 um 15:52 Uhr |




Zugegeben, mit obigen Worten kann man in die Rezension eines so ziemlich jeden Bolt Thrower Albums einsteigen. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Band von ihren Pfaden bisher immer nur marginal entfernt hat, wobei die Veränderung von der frühen, noch durch Hardcore und Punk geprägten Thrashphase, über den Grindcore zum heutigen Death Metal, bei direktem Vergleich dann doch überraschend deutlich hervortreten. Bolt Thrower schaffen jedoch etwas, was vielen Kollegen, die ähnlich fest an ihren Stil "gebunden" sind, verwehrt bleibt. Jedes neue Bolt Thrower Album war bisher besser als sein Vorgänger, zumindest was die Qualität der Produktion anbelangt, und auch in Sachen Songwriting haben es die Engländer über die Jahre vermieden ernsthaft an Substanz einzubüßen, weshalb die Aussage für so manchen Fan auch ultimativ gelten dürfte.