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Exodus - The Atrocity Exhibition - Exhibit A PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Florian Schöler   
Montag, den 23. Juni 2008 um 12:44 Uhr

Exodus schlagen zurück und bringen mit ihrer Ausstellung von Gewalttaten ihr drittes Studioalbum seit der Wiedervereinigung vor vier Jahren heraus. Können sie an die Qualität der beiden Vorgänger anschließen?

CoverUm die Frage schon einmal vorab zu beantworten: Ja, sie können. Und wie sie das können. Exodus brennen auf "The Atrocity Exhibition - Exhibit A" das oft zitierte Feuerwerk ab. Dieses Album bietet interessante Riffs, fetzendes Schlagzeugspiel, gesanglich sogar eine kleine Überraschung und auch textlich ist dieses Werk absolut erhaben.

Doch fange ich am besten vorne an.
Per Call To Arms wird man zu Anfang sehr schön in die allgemeine Stimmung des Albums eingeführt, die sehr dunkel gehalten ist, was bei diesem Albumtitel auch nicht verwunderlich ist. Es baut sich langsam ein Zusammenspiel aus Gitarre und Schlagzeug zusammen, das immer lauter und schneller wird und schließlich nahtlos in den ersten richtigen Titel, Riot Act, das mit 3:37 Minuten kürzeste Lied der Scheibe, das zwar gut nach vorne geht, insgesamt aber eher ein Durchschnittsstück ist, übergeht.

Doch gleich danach folgen zwei absolute Kracher: Funeral Hymn und vor allem Children Of A Worthless God. Die beiden Stücke sind sehr schöne Beispiele dafür wie schnell achteinhalb Minuten vorbeigehen können. Children Of A Worthless God ist, selbst am sehr hohen Durchschnitt dieses Albums gemessen, ein absolut herausragendes Stück, da es im Refrain Klargesang bietet, der sich erstaunlich gut in das Gesamtkonzept einfügt. Wie jetzt, Klargesang auf einem Exodus-Album? Ja, das geht; sehr gut sogar. Unbedingt reinhören. Textlich könnte man hier eine gewisse Islam-Feindlichkeit unterstellen, ich denke aber eher, dass der Text gegen die extrem-fanatischen Anhänger dieser Religion gerichtet ist, nicht gegen die Religion allgemein.

Anschließend folgt mit As It Was, As It Soon Shall Be ein Stück, das musikalisch nicht ganz mit dem Rest mithalten kann, dafür aber eine interessante Message liefert, darüber wie wenig der Mensch aus der Vergangenheit lernt und Fehler immer wieder begeht, wobei im Besonderen Bezug auf den Krieg im Irak genommen wird, oder um es mit den Worten von Gary Holt zu sagen: "We didn't pay attention to lessons learned in the past." Insgesamt kann man dem Album als großes Plus anrechnen, dass die Texte nicht einfach eine Aneinanderreihung von Gewaltverherrlichung, Antireligiösität und ähnlichem sind, wobei auch das einen gewissen Reiz haben kann, sondern, dass einige Titel durchaus ausgefeilte Texte haben, die eine Aussage rüberbringen wollen und dies für gewöhnlich auch schaffen.

Weiter geht es nun mit DEM Titel dieses Albums: The Atrocity Exhibiton. Hier haben sich die fünf Mannen wirklich selbst übertroffen. Schon alleine das Hauptriff ist absolut göttlich und die Spielzeit von 10:33 Minuten vergeht wie nichts. Es wird hier aber nicht einfach durchgeknüppelt. Schon das Intro des Songs ist eher gemächlich und baut sich erst langsam auf, bevor es dann in die vollen geht, unterstützt von einem gnadenlosen Schnlagzeugknüppel. Doch insbesondere im Refrain wird das Tempo geschickt gedrosselt. Etwa in der Mitte des Stücks ist es Zeit für die Gitarren-Leute, dort ertönen gleich vier Gitarren-Soli hintereinander, bevor dann über einen eher schleppenden Mittelteil wieder Fahrt aufgenommen wird um danach alles platt zu walzen, was zuvor noch irgendwie der Walze standgehalten hat. Bitte mehr davon.

Mit den nächsten, und letzten, drei Stücken folgen weitere sehr gute Titel, die absolut mitreißen aber, verständlicherweise, nicht mehr ganz an das Niveau von The Atrocity Exhibition anknüpfen können. Was natürlich nichts macht, denn auch mit diesen Titeln fegen Exodus fast alles, was es so an Thrash-Konkurrenz gibt, locker vom Parkett, denn auch hier gibt es immer wieder spannende Riffs zu hören.

Auf diesem Album wirkt nichts zusammengeschustert oder aufgesetzt, alles passt wunderbar zusammen. Die Intrumente harmonieren miteinander, der Gesang ist herrlich aggressiv, wie man es von eimem Thrasher erwarten darf, und die Produktion ist absolut hervorragend, wobei besonders Gitarren-Enthusiasten auf ihre Kosten kommen dürften. Weiterhin ist das Album gefüllt mit Gitarren-Soli. Kein Titel kommt ohne aus und Funeral Hymn und Bedlam 1-2-3 bieten gleich vier bzw. sechs Soli am Stück.

Ebenso hervervorstechend ist die Spielzeit von über einer Stunde (in der Limited Edition). Heutzutage wird man ja leider oft mit 40-50 Minuten Alben abgestempelt. Nicht so hier, und das beste daran: das Album wird trotz der Spielzeit nie wirklich langweilig. Eine kleine Überraschung haben Exodus auch noch versteckt (zumindest in der Limited Edition, die ich mir gekauft habe, wie es in der Standardversion aussieht kann ich nicht sagen): Nach Bedlam 1-2-3 folgen ca. 12 Minuten Stille bis bei 1:45 Minuten vor Schluss plötzlich der Klang eines Banjos aus den Lautsprechern dringt. Dies ist der "geheime" Titel Bonded By Banjo, der, wie man sich denken kann, auf den Exodus Klassiker Bonded By Blood anspielt. Nicht nur vom Titel sondern auch musikalisch. Eine sehr nette zusätzliche Dreingabe.

Insgesamt hat sich "The Atrocity Exhibition - Exhibit A" seine Punkte redlich verdient, warum also bei diesem vielen Lob nicht gleich 10 Punkte? Nun, zum einen ist auch auf diesem Album mit zwei Titeln eher Standardkost vertreten (womit Exodus allerdings immer noch viele andere Bands in Grund und Boden stampfen würden), zum anderen hebe ich mir die 10 Punkte für absolut herausragende Alben auf und dazu fehlt diesem Werk dann noch ein kleiner Schritt. Ich bin jedenfalls schon gespannt, was das Ausstellungsstück B zu bieten haben wird.

Anspieltipps: Children Of A Worthless God, The Atrocity Exhibition, Iconoclasm, Bedlam 1-2-3

Wertung:
9 / 10 Punkte

Weitere Informationen:

VÖ-Jahr: 2007
Spielzeit: 71:33
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast
Homepage: http://www.exodusattack.com/

Besetzung:
Rob Dukes - Gesang
Gary Holt - Gitarre
Lee Altus - Gitarre
Jack Gibson - Bass
Tom Hunting - Schlagzeug

Titelliste:
01. Call To Arms (1:33)
02. Riot Act (3:37)
03. Funeral Hymn (8:38)
04. Children Of A Worthless God (8:25)
05. As It Was, As It Soon Shall Be (5:16)
06. The Atrocity Exhibition (10:33)
07. Iconoclasm (7:54)
08. The Garden Of Bleeding (5:49)
09. Bedlam 1-2-3 (19:51)

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 24. Juni 2008 um 14:50 Uhr