| Alestorm - Captain Morgan's Revenge |
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| Geschrieben von: Philipp Klein |
| Freitag, den 02. Mai 2008 um 21:45 Uhr |
"Trinkt aus Piraten!" Die Schotten sind dicht und brettern mit viel Power und Thrash Metal über die sieben Weltmeere. Werden Alestorm ihrem Namen und dem selbstgewählten Prädikat "True Scottish Pirate Metal" gerecht? Ich muss zugeben, als ich das erste Mal von dieser Band gehört habe stand mir sogleich ein ausgesprochen fettes Grinsen im Gesicht. Als alter Piraten-Fan, heimlicher Running Wild-Gernhaber und Schotten-Sympathisant war der CD-Kauf nach den vorzüglichen Promo-Fotos und ersten kurzen Höreindrücken nur noch Formsache. Das Artwork sowie die Bilder im Inlay passen hervorragend zum angepeilten Piraten-Stil. Das Cover ziert ein untoter Pirat, der wie eine Mischung aus Monkey Island's LeChuck und Davy Jones aus den letzten Disney-Blockbustern wirkt.Bei aller Piraten-Romantik und Saufstimmung hat die Platte leider auch einen dicken Haken, aber dazu später. Musikalisch bieten die vier Schotten eine Mischung aus Power und Thrash Metal sowie deutliche Anleihen an Viking und Folk Metal Bands (Turisas und Konsorten sowie Skyclad sind Namen die einem ab und zu in den Sinn kommen). Gleich mit dem Opener Over The Seas dürfte jedem klar werden, worum es bei Alestorm geht. Direkt schallt einem eine breite Front aus Gitarre, Keyboard und Schlagzeug entgegen und schon macht sich das erste Schunkelbedürfnis breit. Beim Einsatz von Sänger Christopher Bowes kommen jedem Freizeit-Piraten die ersten Tränen, so wunderbar knurrt der Bursche ins Mikrofon. Doch schon dieser Track offenbart auch gleichzeitig das große Problem der Platte. Bowes' Keyboards unterstützen die Stimmung zwar oft recht gut, manchmal greift er, im übertragenen Sinne, jedoch ziemlich daneben, was vor allem an den gewählten Effekten liegt. Zu oft klingt das einfach nach Billig-Keyboards aus dem Spielwarenladen. Doch alle schlechten Effekte können nicht über die offensichtlich hohe Qualität vieler Stücke hinwegtäuschen. Der nun folgende Titelsong ist gleich eines der absoluten Highlights der Platte. Das Schlagzeug reißt einen von Beginn an mit, die Keyboards sind absolut richtig platziert und Bowes Gesang nimmt den Hörer immer mehr ein, das ganze gipfelt in einem wunderbaren Mitgröhl-Refrain, dazu gibt es ordentliche Gitarrensoli. Metallerherz, was willst du mehr? Ähnlich gelungen geht das nachfolgende The Huntmaster den eingeschlagenen Weg weiter, und die Texte offenbaren immer wieder herrlichen Blödsinn. "With the power of ale, he could not fail!" Wie so oft auf diesem Album zieht der miese Sound des Keyboardsolos den guten Gesamteindruck aber leider wieder etwas hinunter. Beim vierten Stück steht aber auch schon die erste Kurskorrektur an. Nancy The Tavern Wench ist ein waschechter Schunkelsong der, ohne die verstärkten Gitarren, in jeder Hafenkneipe beim spätnächtlichen Saufgelage der Renner sein dürfte. In Sachen Piratenstimmung erreicht die Platte hier ohne Zweifel einen ihrer Höhepunkte. Die Schunkelei wird beileibe nicht jedermanns Sache sein, wer sich damit aber arrangieren kann wird das Stück, nicht zuletzt wegen Bowes genialer Stimme, lieben. Ich hoffe jedenfalls stark, das Lied mal mit einer großen Menge auf einem Konzert intonieren zu dürfen. Sprach ich beim vorhergehenden Song noch von einer Kurskorrektur muss ich die nun folgenden beiden Stücke wohl eher als einen Schlag mit dem Vorschlaghammer beschreiben. Death Before The Mast ist ein astreiner Thrash-Kracher der mit dem vorangehenden Material nur noch entfernte Ähnlichkeiten offenbart, trotzdem handelt es sich nicht wirklich um einen Stilbruch da über die Texte und die Stimme immer noch Kontakt zum übergeordneten Piratenthema gehalten wird. Leider setzt auch dieser Song die Tradition der störenden Keyboard-Solos fort, man fragt sich, warum solch ein genialer Slasher derart verschandelt werden muss. Ähnlich brutal geht es mit Terror On The High Seas weiter der auch viel mehr Thrash als irgendetwas anderes ist. Leider muss man feststellen, dass es diesem Song sehr gut bekommen wäre, hätte man vollständig auf die Keyboards verzichtet. Das Songwriting ist zweifelsohne stark genug um auch ohne Tastenbrett genug Stimmung zu produzieren. Vor allem die Leadgitarre ist klasse, wohingegen das Keyboard-Solo an den Nerven zerrt, aber das ist ja nichts Neues. Die übrigen vier Stücke bestehen unter anderem aus den beiden wieder eher Power-Metal-lastigen Songs Set Sail And Conquer und Wenches And Mead, wobei letzteres wohl der Schwächste der Platte ist, da man hier hin und wieder in Power Metal typische Dudeleien verfällt, die die Band angesichts des übrigen Songmaterials eigentlich nicht nötig haben sollte. Richtig klasse ist noch das Akustik-Stück Of Treasure, das in Sachen Stimmung sogar noch Nancy The Tavern Wench übertrifft, vor allem der Gesang überzeugt hier ein weiteres Mal. Die abschließende Coverversion von Flower Of Scotland weiß auch zu gefallen und bringt die Platte nach Wenches And Mead zu einem würdigen Abschluß. Alles in allem ist "Captain Morgan's Revenge" ein sehr ambitioniertes Album, das nur an seinem, mitunter fürchterlichem, Keyboardsound kränkelt. Umso schwieriger ist es, hier eine angemessene Note zu vergeben. Ohne Zweifel ist die Platte eine der besten Debutveröffentlichungen die ich den letzten Jahren zu hören bekommen habe. Die Produktion ist hervorragend, die Musiker sind versiert, vor allem Gitarrist Gavin Harper hebt sich des öfteren sehr positiv hervor und das Songwriting ist größtenteils hervorragend. Leider muss ich Aufgrund des teilweise wirklich sehr nervigen Keyboards einen dicken Abzug geben und der Band raten ihrem Sänger das Keyboard wegzunehmen und sich stattdessen vielleicht wie die Kollegen von Turisas einen richtigen Akkordeon-Spieler zu suchen und vielleicht sogar noch eine Fidel in das Line-Up zu integrieren. Wenn sich in diesem Bereich etwas tut sage ich günstige Winde für weitere erfolgreiche Kaperfahrten voraus. In diesem Sinne gibt es von mir, mit viel gutem Willen ganz knappe 8 Punkte, ohne die genannten Patzer wären derer vielleicht sogar 9 möglich gewesen. Anspieltipps: Of Treasure, Captain Morgan's Revenge, Death Before The Mast, Nancy The Tavern Wench Wertung: 8 / 10 Punkte Weitere Informationen: VÖ-Jahr: 2008 Spielzeit: 41:31 Genre: Power Metal, Thrash Metal Label: Napalm Records Homepage: http://www.alestorm.net Besetzung: Christopher Bowes – Gesang, Keyboard Gavin Harper – Gitarren, Backing Growls Dani Evans – Bass Migo "Oger Mampf" Wagner – Session Drums Ian Wilson – Percussion (mittlerweile hauptamtlicher Schlagzeuger) Titelliste: 01. Over The Seas (3:55) 02. Captain Morgan's Revenge (6:42) 03. The Huntmaster (4:59) 04. Nancy The Tavern Wench (4:52) 05. Death Before The Mast (3:17) 06. Terror On The High Seas (3:51) 07. Set Sail And Conquer (4:38) 08. Of Treasure (2:58) 09. Wenches And Mead (3:42) 10. Flower Of Scotland (2:37) |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 02. Mai 2008 um 22:10 Uhr |




Ich muss zugeben, als ich das erste Mal von dieser Band gehört habe stand mir sogleich ein ausgesprochen fettes Grinsen im Gesicht. Als alter Piraten-Fan, heimlicher Running Wild-Gernhaber und Schotten-Sympathisant war der CD-Kauf nach den vorzüglichen Promo-Fotos und ersten kurzen Höreindrücken nur noch Formsache. Das Artwork sowie die Bilder im Inlay passen hervorragend zum angepeilten Piraten-Stil. Das Cover ziert ein untoter Pirat, der wie eine Mischung aus Monkey Island's LeChuck und Davy Jones aus den letzten Disney-Blockbustern wirkt.