Kurios - jahrelang wartet der Freund der gepflegten Metal Opera auf Nachschub, und da kommen am gleichen Tag mit Ayreon und Avantasia direkt die zwei prominentesten Vertreter des Genre mit Gastsänger-Nachschub.
Arjen Anthony Lucassen heißt der Kopf hinter Ayreon, und vor diesem Album muss er sich gesagt haben: Never change a running system. Und ernsthaft - bei solch einem großartigem Katalog kann man auch einfach mal entspannt Werkschau betreiben. Eigentlich hat man alles auf "01011001" schon einmal gehört - auch andere Projekte wie Star One oder Ambeon schimmern hier und da durch. Die Gastsängerschar ist wieder enorm - und da ergibt sich allerdings auch mein einziger wirklicher Kritikpunkt: Trotz so vieler, großartiger Sänger fällt eigentlich nur einer so richtig auf, und das ist der gute alte Jorn Lande. Dieser liefert eine phantastische Arbeit ab, die an seine absoluten Großtaten bei Ark heranreicht. Ansonsten vermisse ich hier doch die klar hörbaren Rollen und Charaktere vergangener Alben. Dass z.B. der Hauptsong für Hansi Kürsch ein Schunkelwalzer ist, verwundert schon - kann der nichts anderes mehr singen? Musikalisch bewegen wir uns also in Sphären, die wohl durch 'Space Metal' passend beschrieben sind - wuchtige Keyboards, außerirdische Soundwelten, oft akustische Gitarren und wechselnde Gesangsparts, und alles ausgetragen auf dem Rücken entspannten 70er-Jahre ProgRocks. Thematisch bleibt die Richtung gleich: Diesmal beschäftigen wir uns direkt mit der Rasse der Forever, denen fernab auf ihrem flüssigen Planeten die Emotionen abhanden gekommen sind, und die daher mal kurz auf einem useligen blauen Planeten den Neandertalern etwas Kultur nahebringen...ehrlich gesagt muss man aber nicht auf die Texte achten, die Musik bietet Genuss genug. Herauspicken sollte man eigentlich keine Songs, das Doppelabum bietet auf 100 Minuten dauerhaft hochwertige Qualität, nur der zweite Song Comatose hebt sich als wirklich außerordentlich gelungener, melancholisch schwebender Song ab. Insgesamt bietet "01011001" das handwerklich erwartet hohe Niveau, allerdings verhindert auch der Mangel an herausstechenden Songs oder Sängerleistungen eine absolute Spitzenwertung.
Wertung: 8/10 Punkte Weitere Informationen: VÖ-Jahr: 2008 Spielzeit: 102:17 Genre: Progressive Metal Label: InsideOut Homepage: http://www.ayreon.com Besetzung: Arjen Lucassen - Alles was bei drei nicht auf den Bäumen ist Ed Warby - Drums Bob Catley - Gesang Tom Englund - Gesang Anneke van Giersbergen - Gesang Daniel Gildenlöw - Gesang Liselotte Hegt - Gesang Floor Jansen - Gesang Hansi Kürsch - Gesang Jorn Lande - Gesang Steve Lee - Gesang Magali Luythen - Gesang Jonas P. Renske - Gesang Simone Simons - Gesang Ty Tabor - Gesang Marian Weiman - Gesang Wudstick - Gesang Phideaux Xavier - Gesang Ben Mathot - Violine David Faber - Cello Jeroen Gossens - Flöte Joest van den Broek, Thomas Bodin, Lori Linstruth, Michael Romeo, Derek Sherinian - Solobeiträge Titelliste: CD 1: 1. Age of Shadows (10:48) 2. Comatose (4:27) 3. Liquid Eternity (8:10) 4. Connect the Dots (4:13) 5. Beneath the Waves (8:27) 6. Newborn Race (7:50) 7. Ride the Comet (3:29) 8. Web of Lies (2:50) CD 2: 1. The Fifth Extinction (10:29) 2. Waking Dreams (6:32) 3. The Truth Is Here (5:12) 4. Unnatural Selection (7:16) 5. River Of Time (4:25) 6. E=mc² (5:50) 7. The Sixth Extinction (12:19) |